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Bei den German Open Wheelchair Tennis trifft sich jährlich die inter­nationale Spitze des Rollstuhltennis. Wer als Zuschauer auf die Anlagen der austragenden Vereine SV Zehlen­dor­fer Wespen und BTTC Grün-Weiß kommt, ist von der positiven Lebens­ein­stellung und den sportlichen Höchstleistungen der Athleten beeindruckt.

Das Turnier bietet deutschen Spitzenspielern die Möglichkeit, vor heimischem Publikum Weltrang­listenpunkte zu sammeln. Für die gebürtige Berlinerin und mehrfache Titel­trägerin Katharina Krüger ist es immer wieder etwas Besonderes, bei "ihrem" Heimturnier aufzuschlagen.

Die NÜRNBERGER ist seit 2017 Nationaler Partner der German Open Wheelchair Tennis. Beim WTA-Turnier NÜRNBERGER Versicherungscup präsentierte Rolli-Tennis-Legende Peter Seidl seinen Sport vor einem größeren Publikum. Außerdem initiierten wir die Aktion "Aces for Berlin", um die Verbindung von WTA- zu Wheelchair-Spitzensport zu schaffen.

Impressionen Rollstuhltennis.

Für jedes Ass, das beim WTA-Turnier NÜRNBERGER Versicherungscup erzielt wird, zahlen der Turnier­ver­anstalter Reichel Business Group und die NÜRNBERGER Versicherung je 5 EUR an die German Open Wheelchair Tennis. Die "Aces for Berlin" lenken die Aufmerksamkeit der Tennisfans auf das einzige internationale Roll­stuhltennis-Turnier in Deutsch­land, bei dem die Aktiven eindrucksvoll zeigen, dass Grenzen nur im Kopf existieren und man mit einem starken Willen alles erreichen kann.

2017 wurden beim NÜRNBERGER Versicherungscup stolze 264 Asse geschlagen - somit flossen 2.640 EUR an die German Open Wheelchair Tennis. "Ein Betrag, der uns sehr weiterhilft", wie Turnierdirektor Martin Melchior betonte.

2 Rollstuhltennis-Spieler im Interview.

Katharina Krüger und Steffen Sommerfeld sprechen im Interview über das Rollstuhltennis, die ITF Wheelchair Tennis Tour und die Faszination Paralympics. Außerdem verraten sie, was ihnen #LebeDeinTennis bedeutet.

Impressionen Dreharbeiten zu #LebeDeinTennis.

Sie ist die "gute Seele" der German Open Wheelchair Tennis, die aktuell auf der Anlage des SV Zehlendorfer Wespen in Berlin ausgetragen werden: Dr. Beate Loddenkemper. Von 2011 bis 2016 war die gelernte Allgemein­medi­zi­nerin Turnierdirektorin des inter­nationalen Turniers. In diesem Jahr unterstützt sie ihren Nachfolger Martin Melchior tatkräftig bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung. Im Interview spricht sie über die kontinu­ier­liche Entwicklung des Rollstuhltennis und erfolgreiche Inklusionsarbeit im Verein.

Interview mit Dr. Beate Loddenkemper:

  • Wann kamen Sie zum ersten Mal mit dem Rollstuhltennis in Kontakt?

    Das war im Jahr 1992, als auf der Anlage des TC Rot-Weiß Berlin noch das WTA-Turnier ausge­tragen wurde. Damals gab es eine Rollstuhltennis-Demonstration, die mich fasziniert hat. Meine Recher­chen ergaben, dass es an der Freien Universität Berlin unter Leitung von Frau Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper und an der Integrativen Gesamtschule in Lankwitz bereits Rollstuhl­tennisgruppen gab. Das Problem war, dass beide Grup­pen aufgrund von Ferienzeiten und Hallenproblematiken nicht kontinu­ierlich spielen konnten und auf der Suche nach einem geeigneten Verein waren. Als Sportwartin des SV Zehlendorfer Wespen habe ich den Kontakt zwischen den Rollstuhl­tennis­spielern und dem Verein hergestellt.

  • Wie gestalteten sich die Anfänge in Ihrem Verein?

    Wir haben die ersten Rollstuhl­tennis­spieler noch im selben Jahr, also 1992, aufgenommen. Zu Beginn verfügten wir nicht über eine Anlage, die behinder­tengerecht ausgebaut war. Das wurde erst mit dem Neubau am jetzigen Vereinsstandort möglich. Also haben wir die Rollstuhl­tennis­spieler anfangs die Treppen hinauf- und hinunter­getragen. Das war für uns und unsere Mitglieder ganz normal.

  • Inklusion wird in Ihrem Verein bis heute intensiv gelebt.

    Ja, das stimmt. Wir haben sechs verschiedene Trainingsgruppen, von denen einige inklusiv spielen. Das heißt, dass Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap gemeinsam die Sportart Tennis erlernen. Wie bei den Fuß­gängern trennen sich später die Wege in Leistungs- und Breitensport. Der Kontakt bleibt natürlich bestehen und nicht selten toben sich nach den Trainingseinheiten alle gemeinsam im Schwimmbad aus. Unsere Angebote für Kinder und Jugendliche mit Down Syndrom sind ebenfalls stark nachge­fragt, auch von extern. Aufgrund von Platz- und Trainerkapazitäten können wir jedoch nur noch Vereinsmitglieder berücksichtigen. Diese erhalten Ver­günstigungen auf den Beitrag und die Trainierstunden. Unsere Mitglieder sind stolz, dass wir das Wort Inklusion aktiv mit Leben füllen.

  • Auch der Spitzensport hat in Ihrem Vereinskonzept einen festen Platz. Wie unterstützen Sie die Roll­stuhl­tennisspieler?

    Mit Katharina Krüger, Steffen Sommerfeld, Sven Hiller und den Zwillingen Markus und Max Laudan haben wir fünf Rollstuhlspieler der deutschen Rangliste unter unseren Mitglieder Diese Leistungssportler werden über unseren Förderkreis unterstützt, so dass für Vereinsbeiträge und Trainingseinheiten keine Kosten anfallen und die Turnierreisen unter­stützt werden können. Es ist etwas Besonderes, die Spieler im Verein auf­wachsen zu sehen. Katharina Krüger, die sich in den letzten Jahren fest unter den Top 10 des ITF Wheelchair Rankings etabliert hat, war das erste Mal mit vier Jahren bei uns auf der Anlage. Zwei Jahre später war sie groß genug, das Rollstuhltennis zu erlernen und mit zwölf Jahren konnte sie dank einer Sondergenehmigung der ITF erstmals ein internationales Turnier bestreiten.

  • Wie sehen Sie die Entwicklung des German Open Wheelchair Tennis?

    In den vergangenen 29 Jahren haben sich die German Open kontinuierlich weiterentwickelt. Sie kamen nach Stationen in Bonn, München und Essen im Jahr 2011 nach Berlin und werden nun im jährlichen Wechsel auf den Anlagen des SV Zehlendorfer Wespen und des Berliner Tennis- und Tisch­tennisclub Grün-Weiß ausgetragen. Ohne die Unterstützung des Berliner Senats wäre die Durchführung eines ITF 2-Events nicht möglich. Das ehren­amt­liche Organi­sa­tionsteam um Turnier­direktor Martin Melchior wird seit diesem Jahr durch hauptamtliche Mitarbeiter des LSB Berlin unterstützt, was die Professionalisierung weiter vorantreibt. So können nun auch neue Medien bedient und Konzepte zur Sponsoren­akquise ausgearbeitet und umgesetzt werden. Ein erster Erfolg ist, dass wir die NÜRNBERGER Ver­sicherung als Nationalen Partner der Veranstaltung gewinnen konnten. Die German Open haben eine Zukunft und das ist für mich als ehemalige Turnier­direktorin schön zu sehen.

  • Hinter den German Open Wheel­chair Tennis steht ein hoher organisatorischer Aufwand. Gestaltet sich die Gewinnung von Helfern schwierig?

    Nein, ganz im Gegenteil. Ob Turnier­büro, Fahrdienst, Einfahrtkontrolle - all diese Bereiche werden ehrenamtlich von Mitgliedern besetzt. Die Kinder und Jugendlichen reißen sich regel­recht darum, bei der Veranstaltung dabei zu sein. Wir haben alleine 40 bis 50 Ball­kinder auf der Anlage, die im Vorfeld eine zweitägige Schulung absolvieren. Sie sind auf dem Platz hoch­mo­tiviert und konzentriert. Am Abend ist es für sie ein Highlight, sich in die Rollstühle der Spieler setzen zu dürfen und im Korso in die Tennishalle zu fahren.

  • Die Rollstühle haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Wie wirkt sich das auf das Spiel aus?

    Die Rahmen der Rollstühle werden heute aus Carbon gefertigt. In der Folge sind die Rollstühle leichter und wendiger geworden. Insgesamt ist das Spiel deutlich schneller und aggressiver als früher. Dies hat zur Folge, dass die Spieler athletischer sein müssen. Konditions- und Fahrtraining haben an Bedeutung gewonnen. Auch das Umfeld der Spieler hat sich professionalisiert. Es gibt kaum internationale Teilnehmer, die ohne Coach anreisen.

  • Welche Botschaft wollen Sie potentiellen Zuschauern der German Open Wheelchair Tennis mitgeben?

    Ja, die Gelegenheit nutze ich gerne. Wir vermitteln schon unseren jüngsten Mitgliedern unsere Maxime. Diese lautet kurz und knapp: Mitleid braucht keiner. Wie jeder andere Sportler auch, möchten die Rollstuhltennisspieler, dass ihre Leistung anerkannt wird und sie im Verein und in der Gesellschaft ange­nommen werden. Sie haben ein großes Publikum verdient. Und wer schon einmal Zuschauer bei unserem Turnier war, der weiß: Die Lebensfreude, die man dort spürt, ist bereichernd. Der Weg zu den German Open Wheelchair Tennis lohnt sich.