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Von Offenbach auf die Profi Tour

Von Offenbach auf die Profi-Tour.

Das ITF-Turnier in Offenbach am Main gilt traditionell als das am besten besetzte internationale Jugendturnier in Deutschland. Aufstrebende Talente nutzen das von Turnierdirektorin Uta Tschepe und ihrem Team sehr familiär organisierte Grade-1-Event, um zum einen wertvolle Punkte für die Jugend­weltrangliste und zum anderen Erfahrungen für eine international ausgerichtete Tenniskarriere zu sammeln.

26 Jahre lange Historie des ITF Juniors.

In den Siegerlisten des seit 26 Jahren ausgetragenen Grade-1-Events finden sich die Namen aktueller deutscher Tennisprofis wie Andrea Petkovic und Florian Mayer sowie vieler interna­tionaler Stars. Den Sprung von Offenbach in die Weltspitze realisierten zum Beispiel die beiden Titelträger des Jahres 2012, Ana Konjuh und Hyeon Chung. Die Kroatin gewann nur 3 Jahre später das WTA-Turnier in Nottingham und stand 2017 im Finale des WTA-Turniers von Auckland. Ihre konstanten Leistungen wurden mit einer vorübergehenden Notierung in den Top 20 der Damenweltrangliste belohnt.

Der Südkoreaner Hyeon Chung sorgte 2018 für Furore, als er unter anderem mit Siegen über die beiden Zverev-Brüder und den ehemaligen Weltranglistenersten Novak Djokovic in das Halbfinale der Australian Open einzog und bei den Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami jeweils ins Viertelfinale kam. Barbora Krejcikova, Siegerin des Offenbacher ITF-Turniers 2013, überraschte mit ihren Leistungen WTA-Spielerinnen und Experten beim NÜRNBERGER Versicherungscup 2017. Erst die topgesetzte Niederländerin Kiki Bertens konnte die stark aufspielende Qualifikantin im Finale stoppen.

Impressionen vom NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors 2018.

Neuer Name - gleicher Anspruch.

Erstmals in der langen Geschichte des Offenbacher ITF-Turniers bindet der Hessische Tennis-Verband e. V. (HTV) mit der NÜRNBERGER Versicherung ab 2018 einen Titelsponsor ein. Ausschlaggebend für die Kooperationszusage des HTV waren nicht allein finanzielle Aspekte, sondern auch die Einstellung des Partners zum Tennis und sein breit gefächertes Engagement. Mit der Förderung der NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors, wie das Traditionsturnier auf der Offenbacher Rosenhöhe nun offiziell heißt, unterstützt die NÜRNBERGER junge Talente aus Deutschland bei ihrem Traum von einer internationalen Tenniskarriere. In familiärer Atmosphäre und vor heimischem Publikum sollen sie die Chance haben, sich mit den besten Nachwuchs­spielern aus aller Welt zu messen und Punkte für die Jugendweltrangliste zu sammeln.

Nachwuchsförderung des HTV bei den NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors 2018.

Ein Leben für das Tennis - Interview mit Turnierdirektorin Uta Tschepe.

Sie wird gerne als "große Dame des Tennissports und Vorzeigefunktionärin" bezeichnet - Uta Tschepe, die Turnierdirektorin der NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors. Eine Anerkennung, die nicht von ungefähr kommt. Denn wenn man die 80-Jährige auf der Anlage des Hessischen Tennis Verbands (HTV) während der Turnierwoche ein wenig beobachtet, fallen ihr souveränes Auftreten, ihr offenkundiges Interesse an ihren Gesprächspartnern und ihre tiefe Begeisterung für das Tennis auf.

Im Interview bestätigt sich, dass Uta Tschepe eine Menge vom "weißen Sport", seinen Akteuren und Funktionären, aber auch von Menschen im Allgemeinen versteht.

ITF Interview
Hana Mandlikova, 4-fache Grand-Slam-Siegerin im Einzel, mit Uta Tschepe, Turnierdirektorin der NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors

Über Uta Tschepe.

Einen Fixpunkt im Leben von Uta Tschepe stellt der asiatische Kontinent dar. Gemeinsam mit ihrem Ehemann steht sie als junge Mutter von 3 Kindern von 1961 bis 1972 in Bangkok im Dienst des Auswärtigen Amtes, später ist sie in der Entwicklungshilfe aktiv. Ihr Sprachtalent, ihre Funktion und ihr Tennis öffnen ihr auch den Weg in den "Royal Bangkok Sports Club" und damit in die erweiterte Tennis-Nationalmannschaft von Thailand. Bis heute reist sie jeden Winter in ihre zweite Heimat, um Ruhe zu finden und Kraft zu tanken.

Aus beruflichen und schulischen Gründen kehrt Uta Tschepe mit ihrer Familie Ende der 1970er-Jahre nach Deutschland zurück. Zunächst engagiert sie sich als Trainerin im Verein, 1981 übernimmt sie das Amt der Jugendwartin des Tennisbezirks Darmstadt. Beim HTV wird sie als Coach für Jugendteams eingesetzt, von 1999 bis 2016 fungiert sie auch auf dieser Ebene als Jugendwartin. Den ITF Juniors auf der Rosenhöhe in Offenbach gibt sie mit ihrer weltoffenen Art und ihrem großen Fachwissen seit 26 Jahren ein familiäres Flair, das entscheidend zur hervorragenden Reputation des Events in der internationalen Tennisszene beiträgt.

Uta Tschepe im Interview: über die NÜRNBERGER Versicherung ITF Juniors, die ersten ITF-Punkte des späteren Weltranglisten-5. Rainer Schüttler, aktuelle Entwicklungen im internationalen Tennis und ihre Leidenschaft für den "weißen Sport".

Der Hessische Tennis Verband trägt seit 26 Jahren ein internationales Jugendturnier mit Ihnen als Turnierdirektorin aus. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Vor 26 Jahren hatten Dr. Joachim Bredereck vom TC Palmengarten Frankfurt und Dirk Hordorff die Idee, in Hessen ein internationales Jugendturnier zu etablieren. Nachdem ich meinen Ehemann früh verloren hatte, war ich zu dieser Zeit frei für neue Aufgaben. Ergänzend zu meiner Trainertätigkeit für den HTV habe ich das Amt der Turnierdirektorin übernommen. Wir hatten von Beginn an sehr gute Spielerinnen und Spieler im Feld, wie etwa Mary Joe Fernandez, Kevin Anderson, Tomas Berdych und Florian Mayer. Das half uns in Kombination mit einer professionellen Organisation, schnell von der niedrigsten in die höchste Turnierkategorie aufzusteigen. Man kann ohne Übertreibung sagen: Alle, die später die Kugel getroffen haben, haben hier gespielt.

Für den HTV waren Sie auch als Betreuerin von Jugendmannschaften tätig. Einer Ihrer erfolgreichsten Schützlinge war Rainer Schüttler. Wie haben Sie ihn erlebt?
Rainer war als Jugendlicher ein eigenwilliger Typ. Er kam aus Nordhessen, war sehr heimatverbunden und hatte eine eigene Philosophie vom Tennis. Der Trend zum Profispieler war nicht zu erkennen. Von Dirk Hordorff wurde ich mit Rainer und 3 weiteren Spielern 1990 auf eine Turnierreise nach Asien gesandt. Unterwegs schloss sich uns Tim Henman an, da er mit dem englischen Team nicht zurechtkam. Es war eine aufregende Zeit. Wir haben in Hongkong trainiert und sind von dort aus in verplombten Zügen nach Kanton gereist. Am Ende der 4 Wochen hatte Rainer seine ersten ITF-Punkte gesammelt. Seine Fähigkeit zur Antizipation und der Wille, sich für den Erfolg zu quälen, haben ihn in die Weltspitze geführt

Stehen Sie heute noch in Kontakt mit Rainer Schüttler?
Ja, so wie mit vielen meiner ehemaligen Schützlinge. Das Schöne bei Rainer ist, dass er trotz aller Erfolge bescheiden geblieben ist. Den Brief, den er mir als Dankeschön nach unserer ersten Asienreise geschickt hat, habe ich heute noch. Er war auch Gespräch auf Rainers Hochzeit, zu der ich eingeladen war.

Welchen zentralen Rat hatten Sie für Ihre Schützlinge?
Von Harry Hopman habe ich folgenden Leitspruch gelernt: "Man muss so lange verlieren, bis es einem egal ist. Dann gewinnt man." Diese Einstellung habe ich zu vermitteln versucht. Ich wollte, dass meine Spieler ihre Niederlagen akzeptieren. Entschuldigungen haben mich nicht interessiert. Mit der Matchanalyse haben wir erst begonnen, wenn der Spieler selbst bereit war und reden wollte. Meine Hilfe bestand darin, Wege aufzuzeigen, wie das eigene Spiel verbessert werden kann, wie man mit sportlichen Niederlagen umgeht, ohne das Gefühl zu haben, menschlich gescheitert zu sein. Ich hätte es nicht verkraftet, wenn jemand am Tennis zerbrochen wäre.

Die Pläne der ITF sehen vor, ab 2019 zwischen den ITF-Junior-Turnieren und den ITF Future Events eine weitere Turnierebene einzuziehen, die sogenannte Transition Tour. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Die Einführung der Transition Tour wird die Jugendturnierszene verwässern. Aus meiner Sicht sind internationale Jugendturniere unwahrscheinlich wichtig für die Entwicklung junger Talente. Europa- oder weltweit Jugendturniere zu spielen, kostet viel Geld. Wer die Chance sieht, auf der Transition Tour erfolgreich zu sein, wird keine ITF-Junior-Turniere spielen. Es wird ein Hunger nach Weltranglistenpunkten und Preisgeldern geweckt, der auf Kosten der individuellen Entwicklung gehen kann.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Nachwuchsspielern aus verschiedenen Ländern?
Die Unterschiede werden immer geringer. Die jetzige Generation an Spielern ist zu sehr angepasst. Die Jugendlichen scheinen mit ihrem Laptop oder Handy verheiratet zu sein, kommunizieren kaum noch miteinander. Auf dem Platz zeigen sie zu wenig Kreativität und Aggressivität. Dabei sind Jugendliche, die aus ärmeren Ländern kommen, tendenziell mutiger, setzen früher alles auf die Karte Tennis. Deutsche Talente absolvieren meist erst ihre schulische Ausbildung und gehen dann auf die Tour. Sie sind sehr behütet, müssen keine eigenen Lösungen suchen, keine Kreativität entwickeln - das fehlt, auch auf dem Platz.

Wer kommt leichter in der Weltrangliste nach oben: Mädchen oder Jungen?
Mädchen haben es generell leichter, nach oben zu kommen und den Sprung vom Jugendtennis in das internationale Tennis zu meistern. Die Voraussetzung ist, dass sie ein bisschen Talent haben und bereit sind, sich zu quälen. Bei den Jungen ist die Leistungs­dichte viel, viel größer. Doch egal, ob es sich um ein talentiertes Mädchen oder einen Jungen handelt: Das Umfeld muss darauf achten, dass sie trotz Erfolgen nicht abheben und eine gute Grundeinstellung behalten.

Welche Rolle spielt das Tennis in Ihrem Leben?
Das Tennis spielt eine sehr, sehr große Rolle in meinem Leben. Es ist für mich ein roter Faden und ein Türöffner. Ich komme aus einer Familie, in der alle Tennis gespielt haben. Der Sport war damals noch elitär, man spielte nicht, um Profi zu werden. In Thailand half mir das Tennis, Kontakte zu knüpfen. Nach kurzer Zeit wurde ich Mitglied der Nationalmannschaft. Meine australische Trainerlizenz ließ ich nach der Rückkehr nach Deutschland anerkennen, arbeitete schnell in diesem Bereich und engagierte mich auch im Ehrenamt.

Was verbinden Sie mit dem Slogan #LebeDeinTennis?
Wenn ich Tennis nicht liebte, würde ich es nicht spielen. Tennis ist eine Lebensschule - wenn man es annimmt. Dadurch, dass es technisch anspruchsvoll ist, lernt man eine gewisse Bescheidenheit. Man muss erst den Ball unter Kontrolle bringen, ehe man den Gegner schlagen kann. Man lernt als Tennisspieler früh, mit Niederlagen umzugehen. Wenn ich im entscheidenden Satz 5:6 und 30:40 hintenliege, der Ball des Gegners auf der Linie landet und ich meinen inneren Schweinehund überwinde, ich ihn gut geben kann, dann habe ich gewonnen - für das Leben. Dann weiß ich, was Ehrlichkeit bedeutet.

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