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Viele junge Tennis­spieler haben den Traum, in die Fußstapfen von Roger Federer oder Serena Williams zu treten und bei großen Turnieren Erfolge zu feiern. Alexander Waske erklärt im Interview, wie man Tennisstar werden kann.

Der Weg in das internationale Spitzentennis ist steinig. Erfolge und Rückschläge wechseln sich ab. Manche erkennen erst nach Jahren intensiven Trainings, dass es für den Durchbruch in die Weltspitze nicht reichen wird. Einer, der die Höhen und Tiefen einer Sportkarriere kennt, ist Ex-Profi und Top-Trainer Alexander Waske. Er gibt einen Einblick in seine sportliche Karriere, die Zusammen­arbeit mit Tommy Haas und das ganzheitliche Konzept seiner Tennis-University.

Alexander Waske Training

Alexander Waske fand über das College-Tennis in den USA den Weg in das Profi-Tennis. In der ATP-Rangliste erreichte er im Einzel Position 89 und im Doppel Position 16. Einem breiten Publikum wurde er durch seine Doppel-Einsätze im Davis Cup bekannt. An der Seite von Tommy Haas und Michael Kohlmann entschied er 8 von 9 Partien für Deutschland. Nach dem Ende seiner Karriere gründete er gemeinsam mit Rainer Schüttler eine Tennis-Akademie im hessischen Offenbach und betreute unter anderem die ATP-Spieler Tommy Haas, Jürgen Melzer und Michael Berrer. Heute ist er alleiniger Geschäftsführer der Alexander Waske Tennis-University in Offenbach am Main, deren Team Tennistalente gezielt an ihr individuelles Leistungsmaximum heranführt.

In der Alexander Waske Tennis-University werden Spielerinnen und Spieler entsprechend ihres jeweiligen Leistungsniveaus betreut. Durch den intensiven Austausch zwischen Tennis-, Fitness- und Mentaltrainern, Physiotherapeuten, Medizinern und Betreuern wird das Training bestmöglich an die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst und die Überlastungs­gefahr minimiert. Aktuell leben im Internat auf der Rosenhöhe in Offenbach am Main 30 Jugendliche und junge Erwachsene, die zum Teil noch zur Schule gehen oder ihren Schul-/Uniabschluss per Fernstudium absolvieren. Profispieler wie Andrea Petkovic und Philipp Petzschner nutzen die Tennis-University für die Turnier­vorbereitung. Zudem nehmen viele Jugendliche und LK-Spieler an den ganzjährig angebotenen Trainings­camps teil.

Seit Kurzem gibt es für die Jüngsten aus dem Stadtgebiet Kursangebote, die auf den Konzepten der Heidelberger Ballschule und des Kindertennis-Projekts "Talentinos" aufbauen.

Weitere Informationen unter tennis-university.com

Wie wichtig ein starker Wille für Tennisspieler ist, wann Vernunft über Leidenschaft siegen sollte und wie sich die Erfahrungen einer sportlichen Karriere positiv auf andere Lebensbereiche auswirken können.

Herr Waske, im Tennis Magazin haben Sie Anfang des Jahres einen emotionalen Kommentar zum Karriereende von Tommy Haas geschrieben. Was war Ihr persönliches Highlight der Zusammenarbeit?

Die Beziehung zu Tommy Haas beginnt in dem Moment, als wir im Jahr 2005 bei meinem ersten Davis-Cup-Einsatz chancenlos zurücklagen. Ich wusste, dass ich als Nummer 100 der Welt nie wieder für Deutschland würde spielen können, wenn wir dieses Match verlieren. Kiefer, Schüttler und Haas waren im Einzel einfach zu stark und ich war extra für das Doppel im Team. Mir war klar, dass wir etwas ändern mussten, aber wie sollte ich das dem viel besseren Tommy Haas sagen? Beim Spielstand von 1:1 im 3. Satz forderte mich Tommy auf, etwas zu ändern. Er übergab mir das Zepter. Und wir fingen an, zu variieren und richtig Doppel zu spielen. Wir haben in 5 Sätzen gewonnen und Tommy zollte mir Riesenrespekt für das, was ich geleistet habe. Das war der Startpunkt für viele tolle Davis-Cup-Doppel und ich hatte das Glück, dass ich immer dann, wenn es für Deutschland in diesem Wettbewerb um etwas ging, immer über meinem Niveau gespielt habe.

Ob mit Tommy oder später mit Michael Kohlmann - es waren immer Highlights meiner Karriere. Als ich sein Trainer war, zeigte mir Tommy, dass er einen klaren Unterschied zwischen Freundschaft und Arbeit macht. Als Trainer befindet man sich dem Profispieler gegenüber stets in einem gewissen Abhängigkeits­verhältnis. Viele Coaches haben Angst davor, den Job zu verlieren, und machen gute Miene zum bösen Spiel. Diese Einstellung passt nicht zu mir. Es gab einige Streitgespräche zwischen Tommy und mir, die uns weitergebracht haben. Herausragend war, seine Intensität im Training zu erleben. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der von der ersten Sekunde an Vollgas gibt und dies über 2 Stunden durchhält. Es macht richtig Spaß, auf diesem hohen Niveau zu arbeiten, auch wenn es extrem fordernd ist.

Welchen Moment Ihrer eigenen Tenniskarriere werden Sie nie vergessen?

Definitiv werde ich mein erstes Davis-Cup-Match nie vergessen. Es gab aber auch andere Highlights. Die Qualifikation für die "Sweet 16" mit dem Team der San Diego State University, für das ich 3 Jahre College-Tennis gespielt habe, war überemotional. Ebenso wie die Davis-Cup- und World-Team-Cup-Begegnungen, die ich spielen durfte. Die wichtigen Siege meiner Karriere über Rafael Nadal, Carlos Moya, Goran Ivanisevic und Juan Martin del Potro bleiben natürlich in Erinnerung. Besonders heiß war ich immer auf die Bundesliga. Das war eine wichtige Phase im Saisonverlauf für mich.

Den Weg in das internationale Spitzentennis haben Sie über den College-Sport gefunden. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Nach dem Abitur wusste ich nicht genau, was ich machen soll. Damals wurden in Hessen 3 Future-Turniere durchgeführt mit insgesamt 18 Wild Cards in der Qualifikation und ich habe beim Verband um eine Wild Card für eine der Qualifikationen angefragt. Man hat mich als untalentiert und nicht ambitioniert genug empfunden und mir eine Absage erteilt. Bei der Bundeswehr wurde ich nicht in die Sport­förder­gruppe aufgenommen, also verbrachte ich meinen Militärdienst als Sanitäter in Montabaur. Danach stand eine Karriere im Profitennis nicht auf meiner Liste. Zu studieren war eine Option, aber ich wusste nicht, was.

Mein Vater riet mir, keine Zeit mit einem Studium, das ich vielleicht abbrechen würde, zu vertun, sondern lieber eine Lehre zu absolvieren. Anschließend könne ich immer noch studieren. Diesem Rat bin ich gefolgt und habe eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Schon nach 2 Wochen wusste ich, dass eine Bank der falsche Ort für mich ist, aber ich habe es durchgezogen. Während der Lehre habe ich probiert, mindestens 1 Mal in der Woche zu trainieren, und habe auch an Mannschaftsspielen und einigen wenigen Turnieren teilgenommen. Als ich mich 1997 in Amerika bei Universitäten um ein Stipendium beworben habe, stand ich auf Rang 199 der deutschen Herrenrangliste.

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Trainingsvideos der Alexander Waske Tennis-University.

Der Leitspruch Ihrer Tennis-University lautet: "Intensity is a belief". Was verbirgt sich dahinter?

Der Leitspruch geht auf meinen alten Trainer, Larry Williams, zurück. Für mich ist es wichtig, dass es sich in den Räumen, in denen wir trainieren, so anfühlt, als wäre die Energie greifbar. Ein Außenstehender muss sehen: Hier wird mit hoher Intensität gearbeitet. Unsere Trainer haben während der Einheiten Handyverbot, sollen keine Kaffeepausen machen und auch nicht sitzen. Die Trainer müssen alles geben und die Schüler müssen die Energie aufnehmen und zeigen, dass sie brennen. Bei Turnieren kann man richtig spüren, wer das Zeug hat, nach vorne zu kommen, weshalb wir unsere Spieler oft betreuen. Ambitionierte Challenger-Spieler trainieren zum Beispiel nicht nur auf dem Platz, sie nutzen die Fitnessgeräte im Hotel und haben ihren Mixer dabei, um sich Shakes zubereiten zu können. Sie beschäftigen sich mehr mit dem Sport, stellen Fragen, machen sich Gedanken. Das sind meist diejenigen, die im Ranking schnell nach oben klettern.

Ticken Nachwuchsspielerinnen und -spieler unterschiedlich? Und wenn ja, wie müssen Trainer und Umfeld agieren, um das Beste aus den Talenten herauszuholen?

Ja, die Unterschiede sind groß. Als Trainier haben wir es mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten zu tun. Jeder ist anders, auf jeden musst Du individuell eingehen. Das betrifft sowohl den spielerischen als auch den mentalen Bereich. Wir schauen uns im Team ganz genau an, mit wem wir es zu tun haben, wo die Stärken und Schwächen liegen, was wir aus dem Einzelnen machen können. Großen Wert legen wir auf Disziplin und Pünktlichkeit. Auf den Spielstil versuchen wir einzuwirken, ohne etwas zu erzwingen. Serve-and-Volley finde ich nach wie vor wichtig und wenn ein Spieler sieht, dass ihm diese Variante etwas bringt, wird er sie öfter einsetzen, aber es ist nicht für jedermann. Generell wird im Damentennis viel zu einseitig trainiert und agiert. Da wünsche ich mir mehr Variabilität.

Welche Ratschläge können Sie talentierten Jugendlichen geben, die nicht oder nicht mehr in den Genuss einer verbandlichen Förderung kommen und trotzdem überzeugt sind, das "Zeug zum Profi" zu haben?

Es gibt immer einen Weg. Wer es wirklich will, der setzt sich durch. Auch ich habe mir mein ganzes Leben anhören dürfen, dass ich nicht das Zeug zum Profi habe. Vom Bezirk, vom Verband, von der Bundeswehr. Nicht jeder kann es schaffen, seine Ziele zu erreichen, aber manchmal ist es auch eine Frage der Motivation. Ich kenne nur sehr wenige Leute, die sich einer Sache so verschreiben, dass sie sagen können: "Ich habe alles gegeben." Die meisten tun nach außen so und gehen am Abend dann doch einen Burger essen. Wenn ich so etwas bei meinen Schülern mitbekomme, stelle ich ihnen immer 2 konkrete Fragen: "Könnt Ihr es Euch erlauben?" Und: "Habt Ihr so viel mehr Talent als andere?" In unserer Tennis-University lautet die Devise "all in". Nur so kann man das Beste aus sich herausholen. Das soll aber nicht heißen, dass jeder ein guter Spieler wird. Wenn ich 2, 3 Jahre alles auf die Tenniskarriere abgestellt habe und im Ranking nicht deutlich voran­gekommen bin, weiß ich, wo mein Limit liegt. Ich habe mir dann später nichts vorzuwerfen. Wenn man über eine längere Zeit alles gegeben hat, werden Eigenschaften erlernt, die in jedem Beruf nützlich sind. Wir sind sehr stolz auf unsere ehemaligen Profis, die nun im Job oder im Studium vorankommen und uns immer wieder updaten. Viele dieser Spieler pflegen immer noch eine enge Bindung mit uns, und es ist ein schönes Gefühl, diesen Menschen etwas beigebracht zu haben, was sie wertschätzen und sie erfolgreicher macht.

Der Einstieg ins Profi-Tennis ist - gerade bei nicht geförderten Jugendlichen - sehr teuer und wird meist über die Eltern finanziert. Bis zu welchem Punkt sollten Eltern unterstützen und wann sollten sie die "Reißleine" ziehen und ihrem Kind zu einer außersportlichen Karriere raten?

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt Leute, die kommen hierher und wollen uns mit Geld zuschmeißen, um ihren 9-jährigen Sohn ohne besonderes Talent und mit Verzicht auf einen Schulabschluss durch 25 Stunden Training pro Woche auf die Profilaufbahn vorzubereiten. Eine andere Familie wollte ihr Haus verkaufen, um ihrem Kind eine Tenniskarriere zu ermöglichen. Bei so etwas sagen wir prinzipiell ab. Schließlich wollen wir täglich ohne Gewissensbisse in den Spiegel schauen können. Für uns ist es wichtig, dass das Kind von sich aus ans Limit gehen will und alles andere in einem vernünftigen Rahmen ist. Der Sport im Allgemeinen kann einem viel beibringen. Er stellt einen großen Mehrwert dar. Diejenigen, die ihren Sport richtig betreiben, werden erfolgreich - entweder im Sport oder außerhalb. Sie haben den Vorteil, dass sie sich einer Sache intensiv widmen können und dabei Leidenschaft und Durchsetzungs­vermögen zeigen. Das ist für die Persönlichkeits­entwicklung ganz wichtig. Unsere Internatsschüler haben die Aufgabe, jeden Tag 2 Artikel von der ersten Seite der Frankfurter Allgemeinen zu lesen. Beim Abendessen unterhalten wir uns über die Artikel. Das ist ein Zeitaufwand von 5 Minuten für das Lesen und 5 Minuten für das Reden. Die Jugendlichen nehmen viel mit aus diesen Gesprächen. Sie schnappen Neues auf und lernen, einzelne Puzzlestücke zu einem großen Bild zusammenzufügen. Das ist nur einer der Faktoren, weshalb unsere Schüler, wenn sie hier wieder weggehen, wirklich etwas mitbekommen haben. Uns ist es wichtig, dass sich unsere Schüler weiterentwickeln, wenn sie bei uns sind und uns interessiert auch, wie sie sich danach weiterentwickeln. Es gibt schon einige Erfolgs­geschichten. Einer unserer ehemaligen Schüler hat sein Studium fast beendet und hat nun ein Angebot erhalten, bei der NASA zu arbeiten. Er schickt mir - übrigens wie viele andere auch - regelmäßig Updates und bittet mich manchmal um Rat. Natürlich kann ich nicht immer helfen, aber es ist ein schönes Gefühl, gefragt zu werden und Teil der Entwicklung des Einzelnen zu sein.

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Wie ging die Suche nach einer Universität in einer Zeit vonstatten, in der das Internet noch nicht allgegenwärtig war?

Damals bin ich nach L. A. geflogen, habe mir einen Mietwagen genommen und bin von Uni zu Uni gefahren. Lange Zeit, ohne das gewünschte Feedback zu erhalten. Die San Diego State University war die letzte Hochschule auf meiner Liste. Als ich auf dem Campus ankam, fühlte ich mich irgendwie zu Hause. Das Probetraining war furchtbar, doch der Coach sah Potenzial in mir und sprach von einer Top-100-Platzierung. Mit Blick auf die deutsche Herrenrangliste sah ich das als ein realistisches Ziel an. Der Coach lachte nur und erklärte mir, dass er vom ATP-Ranking sprach, worauf ich ihm sagte, er habe keine Ahnung vom Tennis. Er meinte nur: "Du weißt nicht, wie gut Du bist!" Ich blieb in San Diego, absolvierte in den kommenden 2 Jahren viele Trainingseinheiten und lernte nach und nach, die selbstkritischen deutschen Denkmuster abzulegen und an mich zu glauben. Das Match gegen den favorisierten Top-College-Spieler und späteren ATP-Profi Robert Kendrick war ein Schlüsselmoment. Ich traf alle Bälle und siegte klar mit 6:2 und 6:3. Danach glaubte ich daran, dass ich mehr erreichen kann. Es war ein richtiger Motivationsschub. Von diesem Moment an trainierte ich nicht mehr für meinen Coach, sondern dafür, mich mit den Besten der Welt zu messen. Von einem Tag zum anderen war ich kein Student mehr, sondern ein Profi.

Welche Auswirkungen hatte dieser Einstellungswandel?

Als erstes ließ ich im Training meinen Dickschädel weg. Ich habe dem Coach gefolgt, habe ihn einfach machen lassen. Wir haben an der Balance gearbeitet, den Aufschlag umgestellt und auch im mentalen Bereich gearbeitet. Über den Sommer habe ich Turniere gespielt. Nach einem Jahr war ich die Nummer 290 der Weltrangliste. Zu diesem Zeitpunkt wäre es mir möglich gewesen, die Qualifikation zu den Grand-Slam-Turnieren zu spielen. Mein Coach meinte, ein weiteres Semester, mein Abschlusssemester, würde mir guttun und ich habe ihm vertraut. Ich habe an Position 1 jedes Spiel für die Uni gewonnen und mit dem halben Stipendium, das ich zurückgab, konnten wir noch einen weiteren Spieler verpflichten.

College Tennis
Übungsstunden bei der Alexander Waske College-University.

Wir sind aus dem Nichts in die "Sweet 16", die Runde der 16 besten College-Teams, gekommen. Bis aus dem guten Spieler Waske ein Top-100-Spieler wurde, hat es noch einmal über 1 Jahr gedauert. Geholfen hat mir ein Gespräch mit Dirk Hordorff, der mir riet, mein Umfeld zu optimieren. Aus dem Stückwerk wurde ein professionelles Team mit Fitnesstrainer, Reisecoach und Physiotherapeut. Ich selbst habe in allen Bereichen noch eine Schippe draufgelegt. Als ich 2012 meine letzten US Open gespielt habe, lud ich meinen ehemaligen College-Coach ein. Er war der Startpunkt meiner Karriere und sollte auch am Ende meiner internationalen Laufbahn dabei sein.

Das College-Tennis ist untrennbar mit Ihrer sportlichen Entwicklung verbunden. Was sind die Vorteile dieses Systems?

Zu den Vorteilen zählen ganz klar der Zusammenhalt im Team und das Verfolgen eines gemeinsamen Ziels. Durch den Aufenthalt in einem anderen Land erweitert man den eigenen Horizont und wird veranlasst, die Perspektive zu wechseln. Man lernt eine neue Kultur kennen und sich anzupassen. Und man sieht, dass Dinge, die in Deutschland nicht gehen, in einem anderen Land Realität sind. Der "Think big"-Gedanke, also dieses laute und selbstbewusste Auftreten, das in Amerika ganz normal ist, hilft auch Deutschen, über den eigenen Schatten zu springen. Für ambitionierte Spieler, die in Deutschland eher unprofessionell trainieren, stellt das College-Tennis in der Regel eine Optimierung dar, da viel regelmäßiger und intensiver trainiert wird. Im College findet ein 18-Jähriger meist bessere Strukturen als auf der ITF-Future-Tour. Er kann sich in den USA erproben und dann den Weg ins professionelle Tennis suchen. Selbst wenn er 1 bis 2 Jahre ohne Erfolg College-Tennis gespielt hat und kein volles Stipendium bekommen hat, hält sich der finanzielle Verlust in Grenzen.

Immer wieder gelingt deutschen Spielern der Übergang vom College-Tennis auf die ATP-Tour. Ein aktuelles Beispiel ist Yannick Hanfmann, der im letzten Jahr das Viertelfinale der BMW Open und das Finale des ATP-Turniers in Gstaad erreichen konnte. Weshalb ist dieser Trend aus Ihrer Sicht bei Damen nicht so ausgeprägt?

Die Trainer, die an US-Colleges Damenmannschaften betreuen, sind leider nicht so gut qualifiziert wie die der Herrenteams. Auch Intensität und Häufigkeit der Einheiten sind deutlich niedriger angesetzt. Während es bei den Herren um Leistung geht, legen die Damen großen Wert auf die Kommunikation, die Auseinander­setzung mit der Psyche. Da geht viel Zeit und Energie verloren. Das machen gute Coaches nicht oder nicht lange mit. Hinzu kommt, dass sich Spielerinnen viel früher als Spieler Richtung Profi-Tour orientieren und ihnen der Weg über das College-Tennis nicht attraktiv erscheint.

Welche Erfahrungen hat Sie das Profi-Tennis gelehrt und wie fließen diese in die Arbeit Ihrer Tennis-University ein?

Alle Erfahrungen, die ich gesammelt habe, fließen in unsere University ein. Ohne arrogant wirken zu wollen: Das, was wir hier machen, gab und gibt es in Deutschland noch nicht. Wir bieten einen ganzheitlichen Ansatz und haben eine große Leidenschaft für diesen Sport. Während meiner Karriere hatte ich das Gefühl, dass es viel zu viel Stückwerk gibt. Für diejenigen, die in meinem Betreuerteam sein wollten, gab es keine Öffnungszeiten oder Feiertage. Wenn ich Unterstützung brauchte, musste diese verfügbar sein. Es ist nicht einfach, diese Version eines perfekten Umfelds umzusetzen. Meine Trainer und ich wissen, dass es wichtig ist, sich unterzuordnen. Was zählt ist das, was das Beste für den Spieler ist, nicht, was das Bequemste für den Trainer ist. Wir geben keine reinen Trainerstunden, sondern wir coachen unsere Spieler. Dazu tauschen wir uns intensiv im Team aus. Neben den kurz-, mittel- und langfristigen Zielen, die wir mit dem einzelnen Spieler erreichen möchten, gibt es die individuelle Planung. Kein Spieler kommt in eine Schublade, alle Aspekte, wie z. B. der nächste Turnierstart, eine Griffumstellung, Verletzungen etc. werden im Trainingsplan berücksichtigt. Und natürlich sind wir darüber hinaus, besonders für unsere Internatsschüler, Familienersatz oder einfach nur Zuhörer.

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