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Viele Wege führen ins internationale Spitzentennis. Für Jugendliche, die nach dem Abitur nicht direkt den Sprung auf die Profitour wagen wollen, bietet das College-Tennis in den USA eine tolle Alternative. Immer wieder beweisen Talente, dass die professionellen Strukturen und Trainingsbedingungen an amerikanischen Hochschulen ein Sprungbrett in die (erweiterte) Weltspitze sein können. Prominente Beispiele sind deutsche ATP-Spieler wie Alexander Waske, Benjamin Becker oder Yannick Hanfmann und die US-Amerikanerin Danielle Collins, die bei den Australian Open 2019 mit ihrem Halbfinaleinzug für Furore sorgte. Auch für LK-Spieler, die Auslandserfahrung sammeln und ihre Englischkenntnisse perfektionieren möchten, ist das College-Tennis geeignet.

"Als ambitionierter Jugendlicher sollte man diese Perspektive auf alle Fälle ins Auge fassen."

Einer, dem das College-Tennis sportlich und beruflich viele Türen geöffnet hat, ist Sandy Franz. Er ist von der fundierten Ausbildung und der umfassenden Betreuung der Studierenden in den Staaten überzeugt und möchte seine positiven Erfahrungen weitergeben. Im Interview verrät er, wie Jugendliche eine geeignete Universität in Amerika finden, welche Tests es im Zuge des Aufnahmever­fahrens zu bestehen gilt und welche Stipendien angeboten werden. Darüber hinaus berichtet er über den Alltag auf dem Campus und die Vereinbarkeit von Sport und Studium.

Sandy Franz

Vita.

Sandy Franz wuchs in Haan bei Düsseldorf auf. Seine Liebe zum Tennis entdeckte er erst im Alter von 13,5 Jahren. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten spielte er von 2006 bis 2009 College-Tennis in den USA. Nach seiner aktiven Zeit fungierte Sandy Franz ein Jahr als Assistenz­trainer. Zurück in Europa studierte er in London Sportmanagement. Seine Masterarbeit schrieb er über die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele. Heute arbeitet der 36-Jährige für uniexperts als Sport & Education Consultant in Deutschland und Amerika.

Sandy Franz im Interview mit der NÜRNBERGER.

Sie haben selbst erfolgreich College-Tennis gespielt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Hobby mit einem Studium in den USA zu verbinden?

Mein damaliger Trainer, Detlev Jürgen Irmler vom Rochusclub Düsseldorf, hat mich auf die Idee gebracht. Er hat mir gesagt, dass es eine Möglichkeit ist, eine Profikarriere anzustreben. Als Alternative riet er mir, die sportliche mit der akademischen Ausbildung zu verbinden und College-Tennis in den USA zu spielen. Über ihn bin ich dann zu uniexperts gekommen, die mich professionell bei dem Prozess unterstützt haben. Mit dem breiten Netzwerk von uniexperts kam ich in Kontakt mit geeigneten Universitäten. Ich habe es mir damals in den Kopf gesetzt, ein erfolgreicher College-Spieler zu werden und habe sehr hart für diesen Traum gearbeitet.

Welche Eindrücke und Erfahrungen aus Ihrer College-Zeit prägen Sie noch heute?

Die Anerkennung des Stellenwerts des Sports in den USA hat mich nachhaltig beeindruckt. College-Sport ist die ideale Kombination aus Wissenschaft und Sport, man wird richtig gefordert. Gleichzeitig erhält man die bestmög­liche Unterstützung im akademischen und sportlichen Bereich. Dann ist da noch dieser Familiengeist, mit dem man infiziert wird. Das gesamte Leben spielt sich in den USA auf dem Campus ab. Man wird ganz schnell ein Teil dieser Familie. Als Alumni kehre ich jedes Jahr total stolz an meine Universität zurück. Meine Uni hat mir nicht nur die Möglichkeit gegeben, meinen Sport zu leben, sondern auch die ganze Welt kennenzulernen. Denn im College-Sport, der sehr international ausgerichtet ist, schließt man Freundschaften fürs Leben. Um diese zu pflegen, bereist man nach dem Studium die ganze Welt.

Worauf sollten Abiturienten, die sich für das College-Tennis interessieren, im Bewerbungsverfahren unbedingt achten?

Wichtig ist, dass man frühzeitig mit der Umsetzung beginnt. Man sollte den Prozess im Idealfall 2 Jahre vorher starten, mindestens aber 1 Jahr dafür einplanen. Unter anderem müssen Aufnahmetests bestanden werden, wie z. B. der SAT oder ACT. Alle, deren Muttersprache nicht Englisch ist oder die keinen englischen High-School-Abschluss absolvieren, müssen zusätzlich noch den TOEFL-Test ablegen. Bezüglich der zu erreichenden Ergebnisse hat jede Universität andere Anforderungen. In Harvard und Yale sind diese höher als an anderen Hochschulen in den USA. College-Spieler müssen dann noch ein Bewerbungsprofil vorbereiten, mit Tennis-Videos, den im Tennis erzielten Erfolgen und einem Lebenslauf. Wenn diese Anforderungen parallel zum Abitur anfallen, kann es stressig werden. Deshalb sollte man frühzeitig mit der Recherche und der Umsetzung beginnen.

Welches spielerische Niveau sehen Sie als Voraussetzung für eine erfolgreiche College-Karriere an?

Prinzipiell kann sich jeder ambitionierte Tennisspieler bewerben und hat Chancen, eine College-Karriere in den USA einzuschlagen. Unsere kostenlose Einschätzung und die Budgets, die wir kommunizieren, helfen bei der Entscheidungsfindung. Um an den besten sportlichen Universitäten in der NCAA Division I als College-Spieler aufgenommen zu werden, sollte man in der Deutschen Damen-/Herren-Rangliste schon unter den Top 100 stehen. Aber auch die anderen Ranglistenspieler oder LK-Spieler sind gut an Universitäten unterzubringen. Für jeden Spieler ist etwas dabei und uniexperts hilft professionell mit der langjährigen Erfahrung bei der Vermittlung und den Prozessen. Die Vermittlungsrate von uniexperts liegt bei über 95 %. Für unsere Dienstleistungen fallen insgesamt Kosten in Höhe von 3.990 EUR an, die in 3 Raten beglichen werden können.

Ein Studium an einer amerikanischen Hochschule ist sehr teuer. Welche Formen von Stipendien gibt es für talentierte Tennisspieler? Mit welchen (Neben-)Kosten müssen die Jugendlichen und ihre Eltern pro Semester rechnen?

Diese Frage pauschal zu beantworten, ist sehr schwierig. Es hängt immer von der sportlichen und akademischen Leistung des Spielers ab. Sehr gute Spieler erhalten ein sogenanntes Vollstipendium, das Studiengebühren, Unterkunft, Verpflegung und Büchergeld beinhaltet. Bei einigen Unis - das sind aber Ausnahmen - kommen Taschengeld und Flüge hinzu. Dann gibt es noch Teilstipendien, die von den Eltern bezuschusst werden müssen. Mit der kostenlosen Einschätzung, die wir bei uniexperts geben, sehen die Familien schnell, ob ein USA-Aufenthalt realistisch ist oder eben nicht.

Wie ist es bei Ihnen gewesen?

Ich selbst habe erst sehr spät, das heißt mit 13,5 Jahren mit dem Tennisspielen begonnen, was sich auch auf mein Leistungsniveau ausgewirkt hat. Im 1. Jahr habe ich deshalb nur ein Teilstipendium in Höhe von 50 % erhalten. Die letzten 2 Jahre wurden meine sportlichen Fortschritte gewürdigt und es wurden 90 % der Kosten übernommen. Die Amerikaner legen großen Wert auf sportliche Leidenschaft und Entwicklungs­freude. Beides habe ich gezeigt und mein größter Erfolg war eine individuelle Top-100-Platzierung in der Division I.

Gibt es das klassische "Vorspielen" an den Colleges noch immer oder reichen im Zeitalter der Digitalisierung die Übermittlung von Videos und eine Skype-Konferenz aus?

Das ist heutzutage noch eine Kombination aus beiden Vorgehens­weisen. Bei uniexperts laden wir beispielsweise jedes Jahr zum größten College Tennis Showcase in Europa ein. Allein letztes Jahr hatten wir 130 Tennisspieler aus 10 verschiedenen Ländern vor Ort und 45 US-College-Trainer. Hier haben ambitionierte Tennisspieler die Möglichkeit, ihr Talent vor US-College-Coaches direkt zu präsentieren und die ersten persönlichen Kontakte zu knüpfen. Die nächste Möglichkeit, beim College Tennis Showcase teilzunehmen, ist vom 19. bis 21. Juli in Köln. Gleichzeitig erstellen wir aussagekräftige Bewerbungsprofile von unseren Spielern, die direkt an US-College-Coaches durch verschiedene Kanäle wie z. B. Social Media, E-Mail-Kampagnen, Webseite etc. vermarktet werden. Die Bewerbungsprofile beinhalten alle wichtigen Informationen für eine erfolgreiche Vermittlung.

6. uniexperts Tennis Showcase 2019

Vom 19. bis zum 21. Juli 2019 wird Köln zum Treffpunkt für Tennis-Nachwuchsspieler und US-College-Coaches. Am uniexperts Showcase Wochenende können die teilnehmenden Tennisspieler ihr Talent unter Beweis stellen, um eines der begehrten Sportstipendien in den USA zu ergattern. Coaches aus ganz Amerika reisen an, sichten die Spieler und präsentieren ihre Colleges. Weitere Informationen zum Tennis Showcase und zur Spieler-Registrierung finden Sie unter https://www.tscgermany.com.

Unterscheiden sich Damen- und Herrenteams bezüglich der Professionalität des Trainings und der Betreuung?

Die Professionalität einer College-Mannschaft ist stark abhängig von der Universität und dem Trainer. Prinzipiell gibt es in den USA sehr gute Trainer. Ein Blick auf die Weltrangliste zeigt, dass tendenziell mehr Spielern der Sprung vom College-Tennis in das Profitennis gelingt. Bestes und aktuellstes Beispiel bei den Damen ist Danielle Collins, die mit ihrem Halbfinaleinzug bei den Australian Open 2019 für Furore gesorgt hat. Die Universitäten in den USA unterstützen den Weg in den Profisport. Gerade auch für Jugendliche, die nicht die finanziellen Mittel haben, sich direkt auf der Profitour auszuprobieren, bietet der College-Sport eine sehr gute Alternative.

Wie sieht der Trainingsumfang aus?

Das Umfeld, das man an einem College vorfindet, kennt man als Spieler aus Deutschland oder der EU gar nicht. Man wird sofort Teil einer Mannschaft, erhält individuelle Betreuung und reist immer gemeinsam zu den Wettkämpfen. Bei mir war es so, dass ich morgens um 6 Uhr mit der ersten Konditions- oder Krafttrainingseinheit begonnen habe. Nach dem Frühstück in der Mensa hatte ich von 8 bis 13 Uhr Vorlesung, danach Mittagessen in der Mensa und Physiotherapie. Am Nachmittag wurde dann noch einmal für 2 Stunden trainiert. An den großen Universitäten gibt es zusätzlich noch individuelles Training, Matchanalyse, Ernährungsberatung, eine sportpsychologische Betreuung.

Und wie viele Wettkämpfe bestreitet man im Jahresverlauf?

Der Herbst, die sogenannte off-season, ist etwas ruhiger. Man spielt Turniere und Freundschaftsvergleiche mit anderen College-Teams, an besseren Universitäten auch Events der Transition Tour oder Challenger. Im Frühjahr stehen 15 bis 30 Mannschaftsvergleiche an, bei denen jeweils 3 Doppel und 6 Einzel gespielt werden.

Bleibt neben Training und Wettkampf noch ausreichend Zeit für das Studium?

Ja, diesbezüglich gibt es auch klare Regeln. Als College-Spieler muss man laut den Statuten der NCAA verpflichtend einen Tag in der Woche für das Studium freigestellt werden. Um eine sportliche Zulassung beizubehalten, muss man einen bestimmten Notenschnitt erfüllen. Im 1. Jahr am College erhält man oftmals Hausaufgabenbetreuung und über die gesamte Studienzeit zählt ein Academic Advisor zum Betreuungsteam. Wenn ich von Mittwoch bis Sonntag in Sachen Tennis unterwegs war, haben mir meine Dozenten die Themen übergeben, die in dieser Zeit bearbeitet werden und angeboten, bei Fragen in die Sprechstunde zu kommen. Das System war sehr effektiv. Ich hatte nie Probleme und konnte mein Studium mit sehr guten Zensuren abschließen. College-Tennis ist eine gute Entscheidung für die eigene Karriere - akademisch und sportlich. Als ambitionierter Jugendlicher sollte man diese Perspektive auf alle Fälle ins Auge fassen.

College-ABC

  • Academic Advisor

    Ein Academic Advisor (= akademi­scher Berater) arbeitet mit den Studierenden zusammen. Er unterstützt sie bei der Wahl der Kurse im Semester und informiert über das angebotene Programm.

  • ACT

    ACT steht für American College Test und ist ein Aufnahmekriterium für Universitäten und Colleges in den USA.

  • Alumni

    Alumni ist die Bezeichnung für Absolventen an einer Hochschule oder einer Institution des tertiären Bildungsbereiches. Damit Beziehungen zwischen und zu den Ehemaligen erhalten bleiben, finden an vielen Hochschulen Alumni-Veranstaltungen statt.

  • ATP

    ATP ist die Abkürzung für Association of Tennis Professionals. Es handelt sich um die Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler.

  • Division

    Der Spielbetrieb im College-Tennis teilt sich in die 3 Divisionen (Division I, II und III) der NCAA sowie die National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA) auf. Die Zuordnung der Colleges/der Universitäten zu den einzelnen Divisionen ist abhängig von der Anzahl der Sportteams, dem Budget der Hochschulen und der Größe des Athletic Departments.

  • LK

    Im Tennis wurde das System der Leistungsklassen (kurz LK) eingeführt, um Spieler nach ihrer Spielstärke einzustufen. Es gibt insgesamt 23 Leistungsklassen, die von LK1 (höchste Einstufung, ausschließlich DTB-Ranglistenspieler) bis LK23 (niedrigste Einstufung) reichen.

  • NCAA

    Die National Collegiate Athletic Association (NCAA) ist eine gemeinnützige Organisation, über die viele Colleges und Universitäten der Vereinigten Staaten und Kanadas ihr Sportprogramm organisieren.

  • SAT

    Der Scholastic Assesment Test (SAT) ist ein standardisierter Test, der die Studierfähigkeit aller Bewerber für amerikanische Universitäten überprüft. Er wird als Zugangs­berechtigung an den US-Colleges verlangt.

  • Stipendium

    Die Anzahl an Stipendien, die eine Hochschule zur Verfügung stellen kann, ist abhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer der Divisionen. In der Division I können im Herren­bereich 4 bis 5 Stipendien bzw. 8 Stipendien für Frauen vergeben werden. In der Division II stehen für Herren ebenfalls 4 bis 5 und für Frauen 6 Stipendien zur Verfügung. Insgesamt kann man maximal 4 Jahre an einem College oder einer Universität Tennis spielen, wobei die Spielberechtigung in der NCAA Division I durch eine Altersbegren­zung von 24 Jahren gekennzeichnet ist. Es wird zwischen Voll- und Teilstipendien unterschieden.

  • TOEFL-Test

    TOEFL ist die Abkürzung für "Test of English as a Foreign Language" und ein international anerkannter, englischer Sprachtest, der für die Zulassung an einer amerikanischen Hochschule Voraussetzung ist.

  • Youth Olympic Games

    Übersetzt sind die Olympischen Jugendspiele gemeint. Die Multisportveranstaltung steht unter Aufsicht des Internationalen Olympischen Komitees und findet alle 4 Jahre statt. Wie bei den Olympischen Spielen gibt es die Unterteilung in Sommer- und Winterspiele. Teilnahmeberechtigt sind Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren.

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