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Mit seinem Bruder Manuel ist der Dachauer Benjamin Ringlstetter im Beach Tennis eine Bank. Gemeinsam haben die beiden Ende August bei den Deutschen Meisterschaften des ITF Beach Tennis in Saarlouis zum wiederholten Mal den Titel gewonnen. Im Mixed standen sie sich einen Tag später als Gegner im Finale gegenüber. Mit dem besseren Ende für Benjamin, der an der Seite der ehemaligen Weltranglisten-Ersten Maraike Biglmaier glänzte.

Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Leidenschaft für einen faszinierenden Trendsport, der oft noch unterschätzt wird.

Benjamin Ringlstetter (33) ist Vater einer 16 Monate alten Tochter, technischer Projektleiter bei einem Autozulieferer und begeisterter Sportler. Im Handball ist er für den TSV Eintracht Karlsfeld als Spielmacher in der Bezirksoberliga aktiv, mit dem TC Dachau spielt er in der Herren-30-Tennisbundesliga um den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters 2018. Sein größter Coup im Beach Tennis war bislang der 5. Platz bei den Europameisterschaften 2016. Erfolge bei kleineren ITF-Beach-Tennis-Turnieren führten ihn bis auf Position 37 der Weltrang­liste. Mitte August repräsentierte er die deutsche Nationalmannschaft bei der Beach-Tennis-Weltmeisterschaft in Moskau und trug - wie schon 2016 - zum Erreichen des 5. Platzes bei.

Was fasziniert Sie so am Beach Tennis?

Mich begeistert die Dynamik dieser Sportart, die unterschiedlichen Ballwechsel. Um zu punkten, muss man viele Facetten in kurzer Zeit umsetzen - vom Schmetterball bis hin zum Defensivspiel. Das ist extrem herausfordernd und abwechslungs­reich. Mittlerweile ist das klassische Tennis-Doppel wie Kindergarten für mich. Denn es ist im Vergleich zum Beach Tennis viel langsamer.

Wie sind Sie zum Beach Tennis gekommen?

Ich habe von klein auf Tennis gespielt. In der Schule kam dann das Beach Volleyball hinzu. Den ersten Kontakt zum Beach Tennis hatte ich über einen Vereinskollegen. Wir haben in Schnaittenbach direkt die Bayer­ischen Meister­schaften gespielt. Damals noch mit richtigen Tennisschlägern. Nach 2 weiteren Turnieren und den Deutschen Meister­schaften haben wir wieder aufgehört. Etwa 1, 2 Jahre später kam mein Bruder Manuel mit Paddle-Schlägern an. Seitdem ist das Beach Tennis fester Bestandteil unseres Lebens.

Wo trainieren Sie?

Mein Bruder und ich dürfen die Beach-Tennis-Anlage des TSV 65 Dachau umsonst nutzen. Der Verein hat einen alten Tennis­platz entsprechend umgebaut. Spieler aller Altersstufen verabreden sich dort über eine WhatsApp-Gruppe regelmäßig zum Spielen. Allerdings fehlt es meinem Bruder und mir in München und Umgebung an adäquaten Trainingspartnern.

Wie bereiten Sie sich vor diesem Hintergrund auf ITF-Beach-Tennis-Turniere vor?

Wir trainieren extrem wenig. Eigentlich sind die Turnier­teilnahmen unser Training. Das erklärt auch, weshalb wir einige enge Matches bei internationalen Turnieren verlieren. Das Maximum ohne Training abzuliefern, ist extrem schwierig. Die Grundfitness hole ich mir beim Handball. Regelmäßiges Tennistraining ist gut für das Ballgefühl und die Ko­ordination. Die Komponenten Taktik und Spielaufbau fehlen in unserer Vorbereitung. Beides müssen wir uns erst im Turnierverlauf erarbeiten.

In Saarlouis werden die Deutschen Beach-Tennis-Meisterschaften seit 2 Jahren im Herzen der Stadt aus­getragen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Beach Tennis erlebt in Deutschland in den letzten 2 bis 3 Jahren einen deutlichen Schub. Events wie in Saarlouis tragen maßgeblich dazu bei. Schön ist, dass der Deutsche Tennis Bund dahintersteht und mit Plan B einen engagierten Veranstalter gefunden hat. Nur so können wir die breite Masse erreichen und begeistern. Denn wenn ich sage, dass ich Beach Tennis spiele, bekomme ich in Deutschland immer noch die Antwort: "Wie denn? Wir haben doch keinen Strand hier!". Das darf nicht sein.

Wie beurteilen Sie die Situation in Ihrem Heimatland Bayern?

In Bayern ist das Thema Beach Tennis leider noch nicht richtig angekommen. Der Bayerische Tennis-Verband hängt noch zu sehr an der Tennisschläger-Variante. Es wäre schön, wenn ein Umdenken stattfände und man sich an den Zielen des DTB orientieren würde.

Könnte die Platzkapazität ein Grund für die Zurückhaltung in Bayern sein?

Das denke ich nicht. Viele Beach-Anlagen, wie sie zum Beispiel in Freibädern bestehen, können auf einfachste Weise umgerüstet werden. Es braucht nur ein feinmaschiges Netz und Pfosten, bei denen sich das Netz auf 1,70 Meter absenken lässt. Und jemanden, der den Sport aktiv promotet. Erfreulich ist, dass bundesweit immer mehr Vereine einen ihrer Tennisplätze zu einer Beach-Anlage um­wandeln. Auf einen Tennisplatz passen bis zu 3 Beach-Felder. Die Umrüstung schlägt einmalig mit circa 50.000 EUR zu Buche, die jährlichen Instandhaltungs­kosten sind deutlich geringer als bei einem Tennisplatz. Einfache Paddel-Schläger sind für wenig Geld zu haben und die druck­reduzierten Bälle, die auch im Kindertennis eingesetzt werden, sind lange haltbar. Über das Beach Tennis können aus meiner Sicht leicht neue Mitglieder geworben und bestehende Mitglieder gehalten werden.

Der Saarländische Tennisbund hat in diesem Jahr als erster Landesverband des DTB eine Mannschaftsrunde im Beach Tennis organisiert. Sollte dieser Ansatz Schule machen?

Ja, auf jeden Fall. Beach Tennis ist extrem leicht zu erlernen, da der Schläger viel kürzer als beim regulären Tennis ist. Wenn sich 4 Spieler auf gleichem Niveau finden, gibt es schnell schöne Ballwechsel. Eine Mannschafts­runde ist eine gute Möglichkeit, neue Leute für diesen Sport zu begeistern und sie über den Wettkampf zu motivieren. Kein Anfänger traut sich zu, direkt an Deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Eine Spielrunde für Teams erleichtert den Einstieg. Hoffentlich ziehen bald andere Landesverbände nach.

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Beach Tennis

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Jan Runau

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