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Einer, der den Sport aus den verschiedensten Blickwinkeln kennt, ist Jan Runau, Leiter der Unternehmens­kommunikation von adidas. Im Interview gibt er einen Einblick in seinen beruflichen Alltag, seine Erfahrungen als Mannschafts- und LK-Spieler und seine Philosophie des verbindenden und motivierenden Charakters des Sports.

Jan Runau im Interview

Jan Runau (52) ist Leiter der Unternehmenskommunikation von adidas und begeisterter Tennisspieler (LK 8). Nach einer abgeschlossenen Journalisten­ausbildung beim Donaukurier in Ingolstadt studierte er Sportökonomie an der Universität Bayreuth. 1991 begann er seine berufliche Laufbahn als PR-Manager bei adidas Deutschland. Nach einem Wechsel zu Hugo Boss kehrte er 1999 als "Leiter Sportsmarketing/PR Europa" zu adidas zurück. Heute verantwortet Jan Runau weltweit die Kommunikation des Sportartikel­herstellers.

Als Leiter der Unternehmens­kommunikation von adidas haben Sie beruflich viel mit Sport zu tun. Welche Sportarten zählen zu Ihren persönlichen Top 3?

Jan Runau: Tennis, Triathlon und Laufen.

In dieser Reihenfolge?

Die Reihenfolge wechselt, je nach Lust und Laune. Aber Tennis ist in der Regel schon die Nummer eins.

Über Ihre Eindrücke von der Fußball-WM 2014 kann man im Internet einiges lesen. Können Sie ähnlich emotional von einer Tennis-Dienstreise berichten?

Ja, das kann ich. Es gibt eine schöne Geschichte zu dem Tennisball, den ich seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen in meinem Büro liegen habe. Das Doppelfinale der Herren war etwas Besonderes, weil 2 deutsche Spieler und insgesamt 3 adidas-Spieler beteiligt waren. Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler hatten im 4. Satz gegen das chilenische Duo Fernando Gonzalez und Nicolas Massu 4 Matchbälle und konnten keinen verwandeln. Das Spiel ging in den 5. Satz und dauerte bis nachts um 3 Uhr. In der Schlussphase waren noch etwa 300 Deutsche und 800 Chilenen im rund 8.000 Personen fassenden Stadion. Alle sind total mitgegangen, haben ihre Spieler intensiv angefeuert. Am Ende setzten sich die Außenseiter Gonzalez und Massu durch. Sie gewannen die erste olympische Goldmedaille für ihr Land. Beide wurden im Anschluss an die Olympischen Spiele in Santiago de Chile von 100.000 frenetisch jubelnden Tennisfans empfangen.

Aber noch einmal zurück zum Finale: Wir haben uns damals so gefreut, bei diesem Spiel dabei sein zu können. Die Atmosphäre war einzigartig: Olympische Spiele, Doppelfinale mitten in der Nacht bei immer noch fast 30 Grad Lufttemperatur, klasse Stimmung. Weil immer mehr Fans aufgrund der Länge des Matches nach Hause gegangen sind, saßen wir am Schluss in der ersten Reihe. Dort habe ich auch den Ball aufgefangen.

Wie wichtig ist es, selbst sportlich aktiv zu sein, wenn man bei adidas arbeitet?

Hierzu habe ich eine klare Meinung: Wenn Du bei adidas arbeiten willst, solltest Du ein Interesse am Sport haben und auch selbst aktiv sein. Der Kern der Marke, der Kern des Unternehmens ist schließlich der Sport. Du tust Dich leichter, wenn Du dazu eine Bindung hast. Das ist das, was wir hier an allen Ecken und Enden spüren.

Kommen Sie dazu, neben dem Beruf Sport zu treiben?

Ja, das ist das Schöne an diesem Umfeld. Es gibt viele Gleich­gesinnte, mit denen man gemeinsam Sport treiben kann. Auf unserem Firmen­gelände haben wir zum Beispiel einen Tennis-Hartplatz, ein Fußballstadion, Umkleiden. Man findet immer jemanden, mit dem man joggen oder Tennis spielen kann. In der Tennishalle in Herzogenaurach bin ich regelmäßig mit einem adidas-Kollegen auf ein Match verabredet. Das Verbindende am Sport ist für mich so faszinierend. Es finden sich die Leute zusammen, die Spaß am Sport haben. Da ist es egal, welche Position sie im Unternehmen haben, ob sie Führungskraft oder Praktikantin sind. Sport ist hierarchielos, und das finde ich sehr angenehm.

Der "weiße Sport" begleitet Sie seit Ihrer Jugend. Was macht für Sie die Faszination dieser Sportart aus?

Tennisspielen habe ich beim TC Leerstetten im Landkreis Roth gelernt und bin dann als Junior zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Am Tennis fasziniert mich, dass es ein Sport ist, den man bis ins hohe Alter spielen kann. Mein Papa ist über 80 Jahre alt und spielt noch 3-mal in der Woche Tennis. Bei uns ist Tennis einfach ein Familiensport. Auch meine Frau und meine beiden Töchter spielen. Wir sind alle am Tennis interessiert, es ist ein Teil unseres Lebens. Wir schauen auch gerne zu, sitzen dann wie Ende Januar Sonntag früh vor dem Fernseher, drücken Roger Federer die Daumen und hüpfen auf dem Sofa rauf und runter, weil es so spannend ist. Gemeinsam waren wir auch schon bei vielen Turnieren, natürlich auch beim NÜRNBERGER Versicherungscup. 3 der 4 Grand-Slam-Turniere haben wir bereits besucht. Offen sind noch die Australian Open, aber auch dort wollen wir in nächster Zeit hin. Wimbledon ist von den Grand-Slam-Turnieren das schönste. Das klassische Flair, die weiße Kleidung, die altehrwürdige Anlage und der gepflegte Rasen sind nicht zu überbieten.

Welche Bedeutung hat der Slogan #LebeDeinTennis für Sie?

#LebeDeinTennis bedeutet für mich, Spaß auf dem Tennisplatz zu haben und die sportliche Herausforderung anzunehmen. Denn Tennis ist physisch und psychisch gesehen ein extrem herausfordernder Sport. Wenn ich nicht bei adidas arbeiten würde, wäre ich vielleicht Trainer für Jugendliche geworden. In meinem Heimatverein TC Roth trainiere ich bis heute ehrenamtlich den Nachwuchs. Bei adidas gibt es ein Programm für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, bei diesem bin ich auch jedes Jahr als Coach dabei.

Als passionierter Tennisspieler gehört für Sie der Wettkampfsport einfach dazu, oder?

Ja, ich spiele alle möglichen Spielformen: Mannschaftsspiele, LK-Turniere, um mehr oder weniger erfolgreich meine Leistungsklasse zu verbessern, und Mixed-Turniere. Es müsste definitiv mehr Mixed-Turniere geben. Mit meiner Tochter Eva habe ich 2017 die B-Runde des Tennis-Magazin-Lesercups gewonnen. Weil es so wenig Mixed-Turniere gibt, sind wir auch einmal bei den Beach-Tennis-Mixed-Meisterschaften in Mittelfranken angetreten. Dort spielt man mit dem normalen Tennis­schläger und druckreduzierten Bällen. Wir hatten vor unserem Start exakt null Mal gespielt. Es war sehr lustig, wir haben uns von Runde zu Runde gesteigert und sind im Sand nach den Bällen gehechtet. Am Ende holten wir den Titel.

Wie wichtig ist es für Sie, Ihre LK zu halten oder zu verbessern?

Je älter ich werde, desto weniger wichtig ist die LK für mich. Letztendlich zählt, wie ich meine Matche spiele. Es kommt dann am Saisonende die Leistungsklasse raus, die rauskommt. Man kann gegen schlechter notierte Spieler verlieren und ebenso gegen besser notierte Spieler gewinnen. Die LK ist nur ein Anhaltspunkt - gerade, wenn man nicht regelmäßig Turniere spielt.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Saison 2018 gesetzt?

Die Hallenrunde ist gut gelaufen. Nun bereite ich mich mit meiner Herren-50-Mannschaft auf die Sommersaison vor. Ziel ist es, in der Bayernliga eine erfolgreiche Saison zu spielen.

Und zum Abschluss eine allgemeine Frage: Gibt es Erfahrungen und Eigenschaften, die Sie vom Tennisplatz in das Berufsleben mitnehmen und umgekehrt?

Ganz klar: ja. Da komme ich gerne noch einmal auf das Olympia-Doppel zurück, von dem man ganz viel lernen kann. Das Schöne am Doppel und am Mixed ist für mich, dass man als Team auf dem Platz steht. Wer besser als Team funktioniert, kann gegen 2 vermeintlich bessere Spieler gewinnen. Denn wenn diese sich nicht als Team gefunden haben, werden sie nicht harmonieren und nicht die beste Leistung erbringen. Ich spiele sehr gerne Doppel und Mixed, weil ich es faszinierend finde, wie man sich gegenseitig hochziehen und zu noch besseren Leistungen antreiben kann. Mein Tennisball von den Olympischen Spielen ist schon ganz abgenutzt, weil ich ihn bei adidas oft zu Workshops zum Thema Teamwork mitnehme. Gonzalez und Massu haben gegen Kiefer und Schüttler genau das gemacht, worauf es mir ankommt. Beide haben an den Erfolg geglaubt, sich gegenseitig getragen und am Ende als Team gewonnen, obwohl sie deutlich zurücklagen. In unserem Gesellschafts- und Berufsleben muss die Zusammenarbeit mit Partnern und Kollegen noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Gemeinsam ist Erfolg einfach schöner.

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