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Wer Tennisprofi werden will, braucht viel Diszip­lin, Hartnäckigkeit, Pflichtbewusstsein und Durchhaltevermögen. Einer der es wissen muss, Ex-Profi Michael Berrer, gibt Karriere­tipps.

Bei Boris Becker war es so, bei Steffi Graf, Sabine Lisicki und Angelique Kerber sowie bei vielen anderen Tennisprofis: Sie wurden als Kind für diesen Sport begeistert und geför­dert. Damit die anfängliche Motiva­tion anhält, muss Tennisspielen vor allem eines: Spaß machen. Dabei ist es wichtig, dass Eltern nicht zu hohe Erwartungen an ihre Kinder und gleichzeitig Vertrauen in die Trainer haben.

Ex-Tennisprofi Michael Berrer

Michael Berrer im Interview: Was Eltern bei der Karriereplanung ihrer Kinder beachten sollten.


Michael Berrer (36) war von 1999 bis 2016 als Tennisprofi aktiv. Im Jahr 2010 erreichte der Stutt­garter mit Position 42 seine höchste ATP-Platzierung. An der Seite von Rainer Schüttler gewann er 2008 die Doppelkon­kurrenz der BMW Open. Darüber hinaus trug er sich bei 11 Challenger-Turnieren in die Siegerliste ein. Seine sportliche Karriere beendete der 2-fache Vater im Dezember 2016 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Herr Berrer, wie schwer ist Ihnen der Abschied vom Profitennis gefallen?

Der Abschied ist mir gar nicht schwer gefallen. Das war ein Prozess, der sich über das gesamte Jahr 2016 erstreckt hat. Meine Motivation war, mich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren. Das habe ich leider nicht geschafft. Im Zeitraum Juli/August spürte ich dann, dass es reicht. Das Feuer war einfach weg. Auch mit Blick auf meine beiden Kinder, sie sind jetzt 2 und 5 Jahre alt, war die Entschei­dung richtig. Sie brauchen einen geregelten Tagesablauf und beide Elternteile in der Nähe.

Während Ihrer Profikarriere haben Sie Psychologie studiert. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?

Über die ATP gab es die Möglichkeit, sich für ein Full Scholarship an der University of Phoenix zu bewerben. Das habe ich 2010 genutzt, also zu dem Zeitpunkt, als ich mein höchstes Ranking erreicht hatte. Meine Initiativ­bewerbung für den Studien­gang Psychologie wurde sofort angenommen. Nun stehe ich kurz davor, meinen Master-Abschluss zu erhalten. Das Schöne ist, dass dieser auch in Deutschland anerkannt wird. Während der Tenniskarriere verdient man gutes Geld. Aber man erkennt auch, dass es im Leben nicht immer nur um Geld geht. Es ist wichtig, eine Aufgabe zu haben. Für mich wäre es undenkbar, mit 36 Jahren zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Das könnte ich auch vor meinen Kindern nicht vertreten.

Den Übergang vom Profitennis in das Berufsleben gestalten Sie sehr strukturiert. Seit Kurzem fungieren Sie auch als Berater des Deutschen Tennis Bundes. Wie haben Sie sich gedanklich und praktisch auf diese neue Lebensphase vorbereitet?

Das war ein langwieriger Prozess der Vorarbeit. Ich bin froh, viel Energie darauf verwen­det zu haben. Denn jetzt habe ich die Freiheit, verschie­dene Richtungen zu testen und den für mich besten Weg zu finden. Den Deutschen Tennis Bund berate ich in Bezug auf die Akquise und die Bin­dung von Sponsoren. Beim Württem­bergischen Tennis-Bund möchte ich meine Erfahrungen aus 17 Jahren Hochleistungssport und das im Studium erworbene Wissen einbrin­gen. Präsident Ulrich Lange und Cheftrainer Michael Wennagel haben Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Gerne würde ich auch andere Bereiche ausprobieren, etwa an der Seite von Matthias Stach oder Elmar Paulke moderieren und exklu­sive Einblicke in die Tennisszene geben.

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Stipendium fürs Tennisspielen.


Nicht jeder talentierte Tennisspieler kann Profi werden. Aber solche, die gut genug sind, können ein Stipendium für ein US-College erhalten. College-Tennis vereint wissen­schaftliche Ausbildung und erstklassiges Tennistraining. Außerdem lässt sich so viel Praxis in Matches sammeln, was die Teilnahme an ITF-Turnieren erleichtert.

Welche Charaktereigenschaften haben Ihnen in Sport und Beruf bislang am meisten geholfen?

Disziplin, Hartnäckigkeit, Pflicht­bewusstsein, Durchhaltevermögen. Das deckt sich auch mit dem Erfolgsrezept eines erfolgreichen Konzernmanagers. Dieser hat mir geraten, immer am Ball zu bleiben und nie aufzugeben. Im Profitennis ist es so, dass man wohl oder übel einmal in der Woche verlieren wird. Das kann einen Spieler mental schnell in eine prekäre Situation bringen. Der kon­struktive Ansatz, besser werden zu wollen, hilft über manches Tief hinweg. Ich selbst habe mit 32 Jahren noch einmal alles verändert, mir ein neues Trainingsumfeld gesucht und sogar meinen Aufschlag umgestellt. 2 Jahre später habe ich Rafael Nadal geschlagen. Mein Umfeld hat mir damals geholfen, mich weiterzu­entwickeln. Generell ist ein positives Umfeld ganz wichtig für einen Profi. Die Mehrzahl der Spitzenspieler arbeitet nicht umsonst mit ehema­ligen Champions zusammen. Diese wissen, wie sich verschiedene Stadien einer Karriere anfühlen, was passieren kann, wie man in bestimmten Situa­tionen denken und agieren muss.

Haben Sie einen Tipp für Nachwuchssportler, die eine Profikarriere ins Auge fassen?

Das wichtigste ist, ein geeignetes Trainerteam für die Bereiche Tennis, Fitness und Mentales zu finden, das erfahren ist und Kenntnisse besitzt, wie man eine Karriere richtig aufbaut. Leider werden im Zuge der Ausbil­dung häufig technische und körper­liche Themen vernachlässigt. Auch wenn es sich sonderbar anhört: Erfolg kann nicht geplant werden, muss aber geplant sein. Natürlich kann nicht jeder talentierte Tennisspieler Profi werden. Aber er kann so gut werden, dass er ein Stipendium für ein US-College erhält. College Tennis vereint wissenschaftliche Ausbildung und erstklassiges Tennistraining. Bis zum Uni-Abschluss im Alter von etwa 23 Jahren hat man dann so viel Match­praxis gesammelt, dass man den Schritt in den ITF Circuit wagen kann. Genau dieses Modell würde ich auch meinen Kindern vorschlagen, sollten sie sich für eine professionelle Tenniskarriere aussprechen.

Das war eine gelungene Überleitung zur nächsten Frage. Diese lautet: Wie können Eltern ihre Kinder auf dem Weg ins professionelle Tennis bestmöglich unterstützen?

Beim Thema Tenniseltern handelt es sich um eine meiner Herzens­angele­gen­heiten. Hierzu habe ich auch während meines Studiums intensiv recherchiert. Natürlich haben Eltern eine zentrale Funktion inne, wenn es um die sportliche Karriere ihrer Kinder geht. Sie investieren viel Zeit und Geld in die Ausbildung, gleich­zeitig wirken sie - manchmal auch unbewusst - auf die Denkweise und die mentale Verfassung ihrer Kinder ein. Ein Leitsatz, den ich heraus­arbeiten konnte, lautet: Unterstützung ja, Einmischung nein!

Was bedeutet das konkret?

Für mich ist es essenziell, dass Eltern den Trainern und Betreuern ihrer Kinder vertrauen und sich aus sportlichen Belangen heraushalten. Das klingt hart, ist aber wichtig. Es macht wenig Sinn, wenn ein Kind auf dem Platz alles gegeben und dennoch verloren hat, die Eltern dies nicht einschätzen können und dann einen negativen Kommentar zur sportlichen Leistung abgeben. Auch zu Hause am Esstisch muss nicht über Tennis gesprochen werden - es sei denn, das Kind hat Redebedarf.

Eine Null-Toleranz-Grenze habe ich, wenn es um das Zuschauen bei Trainingseinheiten geht. Trainer sind Experten, denen man Vertrauen schenken sollte. Wenn man das Gefühl hat, kein Vertrauen aufbringen zu können, sollte man darüber nachdenken, die Rahmen­bedin­gun­gen zu verändern.

Es bringt nichts, ein Kind zur Teil­nahme an Trainingseinheiten und Turnieren zu zwingen. Die Wahr­scheinlichkeit, dass spätestens mit Einsetzen der Pubertät der Schläger in die Ecke gestellt wird, ist dann besonders groß. Tennis soll im Kindesalter und auch später vor allem eines machen: Spaß. Selbst wenn man als Profi intensiv auf dem Platz arbeitet, kann man Komponenten einbauen, die Spaß machen und motivieren. Ohne Spaß am Tennis und verständige Eltern gibt es Konflikte und Probleme, funktioniert das Projekt Leistungs- oder Hochleistungs­sport nicht.

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Mit diesen Tipps gelingt der Übergang zum Profisport:

  • Zu intensive und häufige Trainings­einheiten können die Lust am Tennisspielen nehmen.
  • Tenniscamps vermitteln leistungs­orientiertes Tennisspielen und sorgen gleichzeitig für Spaß.
  • Nur wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen - das ist ein wichtiger Meilenstein für die Tenniskarriere und auf dem Weg zum Erfolg.
  • Verlieren gehört dazu: Der konstruktive Ansatz, besser werden zu wollen, hilft über manches mentale Tief hinweg.
  • Manchmal sind auch Veränderungen des Trainingsumfelds oder der Trainingsgewohnheiten nötig.

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