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Osteopathen benutzen zum Heilen ihre Hände, ertasten Verspannun­gen und Blockaden und lindern mit leichtem Druck und gezielten Handgriffen Schmerzen des Bewegungsappa­rats. Immer mehr Sportler vertrauen darauf.

Ein reibungsloses Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Gelenken ver­bessert die Bewegungsökonomie und trägt dazu bei, die Verletzungs­anfäl­ligkeit zu reduzieren. Der ganzheit­liche Ansatz wird von immer mehr Fachärzten als sinnvolle Ergänzung der Schul­medizin angesehen, beobachtet Osteopathin Petra Michaelis.

Osteopathin Petra Michaelis
Osteopathin Petra Michaelis.

Petra Michaelis im Portrait.


Petra Michaelis ist Osteopathin, Physio­therapeutin und Heilpraktikerin. In ihrer eigenen Praxis betreut sie regelmäßig Leistungssportler verschiedener Sportarten mit individuellen Übungs­konzepten, in die auch Ansätze der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) einfließen. Darüber hinaus ist sie seit 1992 Referentin bei der A-Trainer­ausbildung des Deutschen Tennis Bundes. Im Herbst 2016 erschien ihr Buch.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Osteopathie und Physiotherapie?

Im Gegensatz zur Physiotherapie werden bei der Osteopathie die Organe, das vegetative Nervensystem und die Lebensumstände des Patienten einbezogen. Dies kann besonders bei orthopädischen Beschwerden von Bedeutung sein. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Tennis: Turnierspieler haben einen hohen Selbstanspruch, setzen sich häufig unter Druck und erleben Niederlagen als frustrierend. Die Leber mag keinen Druck und reagiert auf die Stressoren nicht selten mit einer verstärkten Spannung, ohne dass sie schulmedizi­nisch auffällig ist. Durch die Spannung im rechten Oberbauch steht häufig die rechte Schulter tiefer und der Brustkorb wird leicht nach vorne/unten gezogen, wodurch die Beweglichkeit in der Brustwirbelsäule und im Schultergelenk eingeschränkt wird. Dies kann zu Schmerzen beim Aufschlag führen. Greifen Tennis­spieler bei der Behandlung der meist entzündlichen Schulterprobleme zu Ibuprofen-Tabletten, wird die Leber weiter belastet, der Tonus weiter erhöht.

In Bildern gesprochen lässt sich der Ansatz der Osteopathie leicht verdeutlichen: Stellen Sie sich ein Haus vor, das ein Loch im Dach hat. Bei Regen dringt Wasser durch das Loch ins Haus ein, auf dem darunter liegenden Parkett entsteht eine Pfütze. Wird nur die Pfütze wegge­wischt, nimmt das Parkett auf Dauer Schaden. Bei einem Schaden nur das Parkett zu sanieren, macht auch wenig Sinn. Oberste Priorität muss sein, das Loch im Dach zu schließen. Die Osteopathie beschränkt sich nicht nur auf die Behandlung ein­zelner Symptome, sondern sieht immer den Menschen als Ganzes. Sie kann helfen, das Loch im Dach auszubessern.

Die rückseitige Oberschenkel­mus­kulatur neigt bei Tennisspielern, aber auch bei Menschen, die beruflich eine überwiegend sitzende Tätigkeit aus­üben, zu Verkürzungen. Gibt es eine effektive Übung, diese zu dehnen?

Ja, es gibt eine Vielzahl effektiver Übungen zum Dehnen der Hamstrings. Vom "Klassiker", sich auf den Rücken zu legen und den Fuß bzw. das Bein mit einem Seil hoch­zuziehen oder von einem Trainings­partner hochdrücken zu lassen, rate ich ab. Unbestritten ist: Für alltäg­liche oder sportartspezifische Anforderungen benötigt jeder Mensch ein indivi­duelles Maß an Beweglichkeit und Kraft. Unsere Bewegungsmuster bestimmen dabei die funktionelle Länge der Muskula­tur. Dehnen alleine hat auf diese keinen Einfluss. Viel effektiver ist es, die abgeschwächten Muskelpartien, bei denen es sich meist um die Gegenspieler der verkürzten Muskeln handelt, zu kräftigen. Bei einer verkürzten rück­seitigen Ober­schenkel­muskulatur eignen sich als Übungen zum Beispiel die Stand­waage oder der herabschauende Hund aus dem Yoga. Manchmal liegt die Ursache eines erhöhten Tonus der Beinrückseitenmuskulatur an einer ganz anderen Stelle. So bedingt ein innenrotiertes Gehen über den großen Zeh eine Verspannung der kurzen Zehen­muskulatur, was auf Dauer wiederum zu einer Tonus­erhöhung und Bewegungs­ein­schränkung der hinteren Ober­schenkelmuskulatur führen kann.

Ist eine Leistungssteigerung durch Osteopathie in jedem Alter möglich?

Ja, das kann man sagen. Die Leis­tungs­steigerung erfolgt zum einen darüber, dass die Verletzungs­anfälligkeit vermindert wird. Wer weniger verletzt ist, kann mehr trainieren. Zum anderen trägt eine alltags- und sportartspezifisch ausreichende Beweglichkeit dazu bei, die Eigenelastizität des Gewebes, also die fasziale Spannung der Muske­lkette, besser zu nutzen. Wird diese optimal ausgeschöpft, können Bewegungen deutlich ökonomischer ausgeführt und Belastungen länger toleriert werden. Um die Bedeutung der faszialen Spannung nachvoll­ziehen zu können, reicht es, einige Meter in Zeitlupe zu gehen. Durch das verringerte Tempo wird die Eigen­elastizität des Gewebes sozusagen ausgeschaltet. Das Vorankommen ist viel kraftintensiver als bei normaler Schrittgeschwindigkeit. Nun wissen Sie auch, warum fast jeder nach einem Stadtbummel oder Museums­besuch, beide sind durch langsames Gehen und viele Unterbrechungen geprägt, schon einmal über schwere Beine geklagt hat.

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Welche Bedeutung kommt der Ernährung in der Osteopathie zu?

Der Ernährung kommt im Allge­meinen eine sehr große Bedeutung zu. Der Darm hat vielfältige Einflüsse auf das Skelett- und das Immun­system. Einer meiner Patienten hat während der Schulzeit dosiertes Leistungstennis gespielt. Nach dem Abitur wollte er auf die Profitour und hat seinen Trainingsumfang deutlich gesteigert. Die Folge waren eine Häufung von Verletzungen und ein zunehmend schlechteres Hautbild. Ursache war eine unausgewogene Ernährung. Der Körper konnte diese nur kompensieren, solange die sportliche Belastung moderat war. Nach einer Ernährungsumstellung ließen die Beschwerden trotz gleich­bleibender Trainingsintensität nach.

Egal, ob es sich um Profisportler, Berufstätige, Hausfrauen oder Kinder und Jugendliche handelt: Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten und mindes­tens eine warme Mahlzeit pro Tag. Während des Essens sollten keine parallelen Beschäftigungen statt­finden, wie Fernsehschauen oder Arbeiten. Süßes schadet nach der TCM generell Milz und Magen. Das gilt nicht nur für Haushaltszucker, sondern auch für Fruchtzucker. Häufig denken Frauen, dass sie eine Hauptmahlzeit durch einen Obstsalat ersetzen können. Wird dies dauerhaft praktiziert, kann eine Fruktose­intoleranz die Folge sein. Denn alles, was zu viel ist, ist schlecht.

Sie haben es eben indirekt angesprochen: Frauen sind häufig sehr auf ihre Figur bedacht. Können Sie uns einige Ernährungs- und Diättipps für Frauen geben?

Das mache ich gerne. Leider ist es ein Mythos, dass Abnehmen mit Mineral­wasser, Rohkost, Obst und Sport gut funktioniert. Bei Frauen sind Qualität und Menge des Essens sowie die damit verbundene Kalorienaufnahme entscheidend. Man sollte versuchen, sich jahreszeit­entsprechend zu er­näh­ren, und die thermische Wirkung von Lebensmitteln berücksichtigen. Rohkost, Südfrüchte und angesäuerte Milchprodukte, wie zum Beispiel Joghurt oder Quark, sind abkühlende Nahrungsmittel. Werden sie über­wiegend verzehrt, funktioniert die Verbrennung im Körper schlechter und Abnehmen ist mühsamer. So wird ein kühlender Tomate-Mozzarella-Salat im Sommer besser verdaut als im Winter.

Eine wärmende Gulaschsuppe sollte dagegen in der kalten Jahreszeit gegessen werden. Lange wurde geraten, 5 bis 6 kleine Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen. Mittlerweile werden 3 Hauptmahlzeiten täglich empfohlen, von denen eine auf jeden Fall warm sein sollte. Ich esse teil­weise 3 Mal am Tag warm, morgens einen Hirsebrei mit gedünsteten Äpfeln und Walnüssen, mittags Gerichte mit frischen Zutaten und wenn abends noch etwas übrig ist die Reste, sonst Brot. Vorsicht ist bei häufigen Brotmahlzeiten geboten, die schnell dick machen. Generell wegge­lassen werden sollte Süßes. Das gilt besonders für Speisen, die mit Haushaltszucker zubereitet werden.

Trockenfrüchte und Kompott in Maßen oder ein Stückchen Schoko­lade mit mindestens 70 % Kakaoanteil sind in Ordnung. Unbedingt verzich­tet werden sollte auf Süßstoffe, da diese den Appetit anregen und im Verdacht stehen, Diabetes zu verur­sachen. Obwohl Frauen einen höheren Kalziumbedarf haben, können sie sich auch ohne Milch­produkte vollwertig ernähren. Wintergemüse, Trockenfrüchte, Sesam, Nüsse, Tofu und Petersilie sind gute Kalziumlieferanten.

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