Interview mit Dr. Armin Zitzmann

In Zeiten, die von Unsicherheit geprägt sind, kommt Werten eine besondere Rolle zu. Sie helfen einem Unternehmen, sicher auf Kurs zu bleiben. Und sie bieten Menschen Orientierung. Für die NÜRNBERGER ist es Ziel, Werte zu bewahren und neue zu schaffen. Vorstandsvorsitzender Dr. Armin Zitzmann erläutert, wie die NÜRNBERGER das vergangene Geschäftsjahr trotz aller Unwägbarkeiten gut gemeistert hat.

Das letzte Jahr stand im Zeichen der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft. Wie war die NÜRNBERGER betroffen?

Natürlich waren und sind auch wir als Versicherungsunternehmen von der Pandemie betroffen. Geholfen hat, dass unser Geschäftsmodell auf Langfristigkeit und Krisenprävention ausgerichtet ist. Ein Beispiel: unsere Garantiezusagen, die wir selbst in solchen Krisenzeiten gegenüber unseren Kunden erfüllen müssen. Durch unser umfassendes Risikomanagementsystem in der Kapitalanlage konnten wir schnell reagieren, Sicherungsmaßnahmen ergreifen und im Verlauf des Jahres den Wert unserer Kapitalanlagen und Bewertungsreserven sogar deutlich erhöhen. Die gesetzlichen Anforderungen an unser Solvenzkapital übersteigen wir deutlich.

Und so waren wir in der Lage, unseren Kunden und Vermittlern zu helfen und unser Leistungsversprechen zu erfüllen. Wir regulierten beispielsweise in Zusammenhang mit der Betriebsschließungsversicherung über 95 % aller Schadenfälle und zahlten dabei an Betroffene einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Dies war damit das größte Schadenereignis in der Geschichte der NÜRNBERGER. Weniger als eine Handvoll der Fälle musste per Gericht entschieden werden.

Durchgreifend waren die Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir in der NÜRNBERGER arbeiten. Schon während der ersten Corona-Phase im Frühjahr konnten wir innerhalb weniger Wochen fast der gesamten Belegschaft ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten. Gleichzeitig führten wir strikte Hygienemaßnahmen in der Unternehmenszentrale ein. Ich war beeindruckt, wie schnell und reibungslos das umgesetzt werden konnten. Homeoffice gehört mittlerweile zum Büroalltag und wird auch in der Zeit nach der Pandemie eine große Rolle spielen.

Welche Auswirkungen hatten die Kontaktbeschränkungen auf den Vertrieb?

Da gibt es mehrere relevante Aspekte. Zum einen ist den Menschen wieder bewusster geworden, wie notwendig eine umfassende Risikoabsicherung ist. Und das gilt gerade auch für die jüngere Generation, die bislang relativ unbehelligt von tiefgreifenden Krisen aufwuchs. Das Interesse an Schutz und Sicherheit ist also gestiegen. Zum anderen führten die Kontaktbeschränkungen dazu, dass unsere Vermittler weniger in direkten Dialog mit ihren Kunden treten konnten und auf digitale Beratung zurückgreifen mussten. Das war für viele eine Umstellung, hat aber recht gut funktioniert. Am Anfang litt zwar das Neugeschäft etwas, doch das machten wir im Lauf des Jahres mehr als wett, nicht zuletzt dank hoher Wachstumsraten im Kranken- und Schadengeschäft.

Was bedeutet dies für die Zukunft des klassischen Vertriebs?

Es hat sich bestätigt, wovon wir ohnehin schon überzeugt sind: Für immer mehr Menschen beginnt die Suche nach dem passenden Schutz im Internet. Standardprodukte wie eine Kfz- oder private Haftpflichtversicherung lassen sich zwar leicht online abschließen. Aber spätestens, wenn es um die Absicherung von Lebensrisiken und des Einkommens geht, dann wünschen sich die meisten weiterhin eine qualifizierte Beratung durch einen Fachmann. Gerade bei Lösungen, die die ganze Familie betreffen, bleibt das persönliche Gespräch beim Kunden oder in der Agentur unverzichtbar.

Mit dem Thema Digitalisierung beschäftigte sich die NÜRNBERGER schon lange vor der Pandemie. Wie ist der aktuelle Stand? Und wie die Aussichten?

Die für uns aufwendigste Herausforderung ist das Umstellen unserer bisherigen Host-basierten IT-Systeme auf neue Client/Server-basierte Systeme. Unsere Kunden erwarten flexible Produkte, die sie an Veränderungen in ihrem Leben anpassen können. Da haben wir im vergangenen Jahr einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht und ein ganz neues Bestandsführungssystem in der Lebensversicherung in Betrieb genommen. Das war das größte IT-Projekt, das wir jemals angegangen sind. Nun sind wir gerade dabei, auch im Schadenbereich eine neue Infrastruktur zu schaffen. Diese beiden Systeme ermöglichen es uns, Produkte anzubieten, die den geänderten Anforderungen heutiger und künftiger Generationen gerecht werden.

Beim Thema "künftige Generationen" denkt man unweigerlich an Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel. Welche Rolle spielt das in der NÜRNBERGER?

Die NÜRNBERGER war aus ihrer Tradition heraus ja schon immer ein Unternehmen, das sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Region bewusst ist und diese Überzeugung lebt. Inzwischen haben wir eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, um die Aktivitäten zu bündeln und zu fokussieren. Wir identifizierten zehn Handlungsfelder, die wir in drei Blöcke clusterten: Mitarbeiter und Vertriebspartner, Kunden sowie Umwelt und Gesellschaft. Und in jedem dieser Blöcke fixierten wir konkrete Ziele. Das Thema Umwelt rückt nicht zuletzt durch den Klimawandel mehr und mehr in den Fokus. Da wir keine Industrieproduktion betreiben, erreichen wir dabei sicher nicht so viel unmittelbar wie eine Fabrik. Aber immerhin konnten wir die Unternehmenszentrale jetzt vom TÜV Süd als CO2-neutral zertifizieren lassen. Eine wichtige Stellschraube sind nachhaltige Produkte und Kapitalanlagen. So bieten wir beispielsweise im Rahmen unserer fondsgebundenen Rentenversicherung eine nachhaltige Vermögensverwaltung entsprechend den sogenannten ESG-Kriterien an. Bei Produktneuentwicklungen wird der Nachhaltigkeitsaspekt stets berücksichtigt. Das Interesse von Kunden an solchen Produkten ist nach unserer Wahrnehmung noch nicht so groß wie es die mediale Aufmerksamkeit vermuten lässt. Aber es ist zweifelsohne ein essenzielles Zukunftsthema.

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Hauptversammlung 2021: NÜRNBERGER sieht Zukunft in der Nachhaltigkeit

Vor dem Hintergrund eines erfolgreichen Geschäftsjahrs zahlt die NÜRNBERGER ihren Aktionären wieder eine stabile Dividende in Höhe von 3,30 EUR je Aktie. Das wurde auf der Hauptversammlung 2021 beschlossen, die erstmals digital stattfand. CFO Dr. Jürgen Voß stellte auf der Hauptversammlung die positiven Geschäftszahlen der NÜRNBERGER vor: Konzernergebnis, gebuchte Beiträge und das Neugeschäft konnten deutlich gesteigert werden. Das Thema Nachhaltigkeit wird für die NÜRNBERGER immer bedeutender. Ein wichtiger Meilenstein war laut CEO Armin Zitzmann die Zertifizierung der Klimaneutralität der Unternehmenszentrale.

Geschäftsberichte

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Berichte über Solvabilität und Finanzlage

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Durch das ab dem 01.01.2016 geltende Aufsichtsregime wird die Berichterstattung der NÜRNBERGER um Berichte über Solvabilität und Finanzlage erweitert. Für Struktur und Inhalte dieser Berichte bestehen enge aufsichtsrechtliche Vorgaben.

Gesonderte nichtfinanzielle Konzernberichte (Nachhaltigkeitsberichte)

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Offenlegung aufgrund des Gesetzes zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II)

*Geschäftsjahr

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