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Wer erkennt, dass eine Scheidung unaus­weichlich ist, dem gehen sicher eine Menge Fragen durch den Kopf: Wie teuer wird das? Brauche ich einen Anwalt? Was passiert mit den Kindern? Wir helfen Ihnen, den Überblick zu bewahren.

Verliebt, verlobt, verheiratet - geschieden?

Knapp 400.000 Paare geben sich in Deutschland jährlich das Ja-Wort. Doch so romantisch die Hochzeit auch gewesen sein mag, bei einer Schei­dung ist davon meist nicht mehr viel übrig.

Traurig, aber wahr: Rund jede 3. Ehe geht wieder in die Brüche. Die meisten übrigens nach 14 gemein­samen Jahren - so die Zahlen des Statistischen Bundes­amts.

Streit, Auseinanderleben oder Seitensprung - Ehen scheitern aus den unterschiedlichsten Gründen. Was Scheidungen jedoch gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie einen enormen Einschnitt in das bisherige Leben bedeuten und sehr viel Kraft kosten - vor allem, wenn Kinder im Spiel sind. Zum Herzschmerz kommen dann oft noch finanzielle Probleme. Schließlich wollen Anwälte und Gerichts­verfahren erst einmal bezahlt werden. Außerdem müssen das gemeinsame Eigentum aufgeteilt, Sorge­recht­sfragen geklärt und Versicherungen angepasst werden.

Rechtsberatung bei Scheidung

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Schon gewusst?

Den 1. Schritt Richtung Scheidung machen meist die Frauen. So wurden in den letzten 3 Jahren 56 % der Scheidungspapiere von Frauen eingereicht.

Ablauf einer Scheidung.

  • Schritt 1: Trennungsjahr

    Egal ob einvernehmlich oder streitig - in der Regel müssen die Ehepartner 1 Jahr getrennt gelebt haben, um sich scheiden lassen zu können. Im Trennungs­­jahr können durchaus beide in der gemeinsamen Wohnung bleiben - allerdings nur, wenn jeder einen abgetrennten Wohn- und Schlaf­bereich hat und kein gemeinsamer Alltag mehr stattfindet.

    Das Trennungsjahr kann verkürzt werden oder ganz entfallen, wenn es sich um einen Härtefall handelt. Der ist zum Beispiel dann gegeben, wenn es zu Gewalt in der Ehe kam.

  • Schritt 2: Stellen des Scheidungsantrags

    Kurz vor Ablauf des Trennungsjahres reicht der Scheidungsanwalt eines Ehepartners den Scheidungs­­antrag beim örtlich zuständigen Familien- oder Sozialgericht ein. Da in Deutschland Anwaltszwang herrscht, muss der Antrag von einem Anwalt gestellt werden. Sie können ihn also nicht einfach selbst einreichen.

    Dem Scheidungsantrag müssen Sie Kopien der Heiratsurkunde sowie - falls vorhanden - Geburts­urkunden der Kinder beilegen.

  • Schritt 3: Antragszustellung an den Ehepartner

    Sobald der Scheidungsantrag bei Gericht eingegangen ist, wird er an den Ehepartner zugestellt. Ihr Partner hat dann die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Das heißt: Entweder er stimmt dem Antrag zu oder er lehnt ihn ab. Je nachdem, wie der Partner reagiert, leitet das Gericht dann weitere Schritte ein.

  • Schritt 4: Durchführen des Versorgungsausgleichs

    Im nächsten Schritt müssen beide Ehepartner Formulare zur Durch­führung des Versorgungs­ausgleichs ausfüllen. Mit Versorgungs­ausgleich ist gemeint, dass die in der Ehezeit erworbenen Anrechte auf Versor­gungsleistungen wie Rente, Betriebs­rente oder Lebens­versicherungen zwischen den Ehepartnern exakt aufgeteilt werden.

    Die ausgefüllten Formulare müssen an das Gericht zurückgeschickt werden, das diese dann an die Renten­ver­sicherungs­träger weiterleitet. Das Gericht wartet mit der Fortführung des Verfahrens, bis Informationen zu den Renten­anwartschaften vorliegen. Dieser Prozess kann schon mal einige Monate dauern, was die Scheidung wesentlich in die Länge ziehen kann.

  • Schritt 5: Gerichtstermin

    Beim eigentlichen Scheidungstermin, bei dem beide Ehepartner anwesend sein müssen, werden nochmal alle wichtigen Themen wie die Scheidungs­­voraussetzungen besprochen. Der Gerichts­termin dauert üblicherweise nur 10 - 20 Minuten.

  • Schritt 6: Scheidungsbeschluss

    Am Ende des Gerichtstermins wird der Scheidungsbeschluss verkündet. Er wird häufig auch als Scheidungsurteil bezeichnet. Danach ist die Scheidung rechtskräftig und offiziell gültig. Im Scheidungsbeschluss ist auch nochmal alles zur Scheidung schriftlich festgehalten.

Was kostet eine Scheidung?

Ganz egal, wie glimpflich die Scheidung auch verlaufen mag: Kosten für Anwalt und Gerichts­verfahren fallen immer an. Wie hoch die sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Denn die Höhe der Schei­dungs­­kosten richtet sich nach dem sogenannten Verfahrenswert (früher Streitwert). Dieser errechnet sich aus dem Nettoeinkommen beider Ehepartner multipliziert mal 3. Davon ist dann allerdings nur ein festgelegter Bruchteil zu zahlen.

Augen auf bei der Anwaltswahl: Bevor Sie sich auf einen Scheidungsanwalt festlegen, sollten Sie mehrere miteinander vergleichen. So kann dieselbe Scheidung bei einem Anwalt mehr als doppelt so viel kosten wie bei einem anderen. Die Kosten hängen außerdem stark davon ab, in welchem Umfang der Anwalt für Sie tätig wird. Vieles können Sie auch selbst regeln und so bares Geld sparen. Allgemein gilt natürlich: Umso einvernehmlicher die Scheidung verläuft, umso schneller und kostengünstiger endet das gesamte Verfahren.

Brauche ich einen Ehevertrag?

Auch wenn es nicht unbedingt romantisch ist: Ein Ehevertrag macht Sinn. Denn darin wird für den Fall einer Scheidung festgelegt, wie es sich mit dem Güterstand verhält - also wie das gemeinsame Vermögen aufgeteilt, Renten­ansprüche ausgeglichen und Unterhalts­zahlungen geregelt werden. Das erspart Ihnen bei einer Scheidung dann jede Menge Ärger und hohe Anwaltskosten.

Was passiert mit den Versicherungen nach einer Scheidung?

Finanzen regeln, Sorgerecht klären, Eigentum aufteilen: Eine Scheidung kann ganz schön stressig und nervenaufreibend sein. Trotz der vielen Turbulenzen sollten Sie aber auch Ihren Versicherungs­schutz und Ihre Altersvorsorge im Auge behalten - und lieber rechtzeitig anpassen. In vielen Fällen stehen hier bereits nach der Trennung, spätestens jedoch nach der rechtskräftigen Scheidung, einige Änderungen und Anpassungen an, ohne die einer der Ex-Ehepartner womöglich nicht mehr ausreichenden Versicherungs­schutz genießt. Denn häufig schließen viele Eheleute Partnerverträge ab, bei denen die Mitversicherung entfällt, sobald der gemeinsame Hausstand aufgelöst wird. Welche das sind, haben wir für Sie unten aufgelistet.

Die gängigsten Partner-Versicherungen im Überblick - und was sich nach einer Scheidung ändert:

  • Krankenversicherung

    Sind Sie bei der gesetzlichen Kranken­kasse (GKV) über Ihren Ehepartner mitversichert, müssen Sie sich nach der Scheidung selbst versichern. Sollten Sie zu einer anderen GKV wechseln wollen, haben Sie nach der Scheidung 2 Wochen Zeit - ansonsten werden Sie bei der bisherigen GKV automatisch beitragspflichtig freiwillig versichert. Bei einer privaten Kranken­versicherung ist es etwas unkomplizierter: Hier laufen die Verträge beider Ex-Partner einfach weiter. Der bis zur Scheidung mitver­sicherte Partner erhält einen eigenen Vertrag, Kinder können mitversichert werden.

  • Haftpflichtversicherung

    Nach einer Scheidung ist nur noch der Versicherungsnehmer über die Privathaftpflicht abgesichert. Der bis dahin mitversicherte Ehepartner muss sich dann um einen eigenen Vertrag bemühen.

    Vorsicht: Wenn der Versicherungs­nehmer schon vor der Scheidung einen neuen Partner über seinen Vertrag mitversichert, erlischt der Versiche­rungs­­­­schutz für den Noch-Ehepartner. Oft weiß derjenige aber gar nichts davon. Der mitversicherte Partner sollte daher besser gleich nach der Trennung eine eigene Haft­pflicht­versicherung abschließen.

  • Hausratversicherung

    Bei einer Hausratversicherung hängt der Versicherungsschutz davon ab, wer aus der gemeinsamen Wohnung oder dem Haus auszieht.

    Bleibt der Versicherungsnehmer dort wohnen, ändert sich für ihn nichts. Wenn er auszieht, muss er der Versicherung nur den Umzug melden und behält seinen Vertrag. Zieht jedoch der bis dahin mitversicherte Partner aus, ist sein Hausrat nicht mehr versichert und er muss einen neuen Vertrag abschließen - und das bereits ab dem Tag des Auszugs und nicht erst nach der Scheidung.

  • Kfz-Versicherung

    Während sich für den Versicherungs­nehmer gar nichts ändert, kann der bislang mitversicherte Ex-Partner das Nachsehen haben. Wenn er nämlich einen neuen Versicherungs­vertrag für ein eigenes Auto abschließt, wird er meist in die ungünstigste Schaden­freiheits­klasse eingestuft.

    Bei der NÜRNBERGER Autoversicherung erhalten Sie in solchen Fällen allerdings einen anteiligen Schaden­freiheits­rabatt.

  • Wohngebäudeversicherung

    In der Regel ist der im Grundbuch eingetragene Eigentümer einer Immobilie auch gleichzeitig der Versicherungsnehmer. Wenn beide Eheleute eingetragen sind, läuft die Wohn­gebäude­versicherung für das gemeinsame Eigentum nach der Scheidung einfach weiter, ohne dass Sie etwas ändern müssen. Behält nur ein Partner die Immobilie, geht der Versicherungsschutz automatisch auf ihn über.

  • Altersvorsorge

    Während Frauen bei der Alters­vorsorge früher eher benachteiligt waren, gilt seit 2009 das sogenannte Versorgungs­ausgleichs­gesetz. Das bedeutet, dass sämtliche Renten­ansprüche beider Ehepartner exakt aufgeteilt werden - unabhängig davon, welche Altersrente-Anrechte von welchem Partner in der Ehe erworben wurden.

  • Risikolebensversicherung

    Der Versicherungsnehmer kann im Fall einer Scheidung seine Risiko­lebens­versicherung kündigen oder das Bezugsrecht ändern. Tut er dies nicht, bleibt die bei Vertrags­abschluss angegebene Person bezugsberechtigt.

Tipp: Besser gleich getrennte Verträge abschließen.

Auch wenn am Anfang einer Ehe keiner an ein mögliches Ende denken mag - für den Fall der Fälle sollten Sie trotzdem vorbereitet sein. Am einfachsten geht das mit getrennten Versicherungs­verträgen. So können Sie sich bei einer Scheidung viel Stress und Unannehmlichkeiten ersparen.

Weitere Informationen zum Thema Scheidung finden Sie auf scheidung.org.

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