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Durch regelmäßige Gleichgewichtsübungen wird Ihr Körper vielseitig trainiert. Neben der Prävention von Verletzungen können sie auch zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit beitragen.

Tennisspieler sind ständig in Bewegung, ändern im Ballwechsel mehrfach ihre Laufrichtung und Position. Wenn der Körper den vorgegebenen Geschwindigkeiten nicht mehr folgen kann und aus dem Gleichgewicht gerät, steigt die Fehlerquote. Jan Sierleja vom Tennisverband Berlin-Brandenburg verrät, welche Übungen Abhilfe schaffen und problemlos in das Training integriert werden können.

Gleichgewichtsübungen Tennis Jan Sierleja
Jan Sierleja, zertifizierter DTB-A-Trainer.

Jan Sierleja im Portrait.


Jan Sierleja hat an der Universität Potsdam Sport auf Lehramt studiert und arbeitet seit 1998 für den Tennisverband Berlin-Brandenburg (TVBB). Als Mitglied des Lehrteams gibt der zertifizierte DTB-A-Trainer und Cardio-Tennis-Coach sein Wissen an Übungsleiter und Kollegen weiter. Ergänzend zählt zu seinen Tätigkeits­feldern der Leistungsbereich, also die Sichtung und Förderung junger Talente. Beim BSV '92, dem mit über 3.000 Mitgliedern in 20 Abteilungen drittgrößten Berliner Sportverein, trainiert Jan Sierleja darüber hinaus die 1. Damen­mannschaft der Tennisabteilung.

Herr Sierleja, welche Rolle spielt das Gleichgewicht im Tennis?

Das Gleichgewicht ist eine der wichtigsten koordinativen Fähigkeiten im Tennis, weil man ständig in extremen Situationen seinen Körper im Treffpunkt in Balance halten muss. Ansonsten ist der Schlag nicht erfolgreich.

Sind die Gleichgewichtsübungen abhängig von der Altersstufe?

Nein. Nach dem ersten Lebensjahr beginnt eine Lernphase, das motorische Lernalter, und damit auch die Anpassung des Gleich­gewichts­sinns. Je mehr das Gleichgewicht im Verlauf des Lebens geschult, trainiert und belastet wird, desto besser wird es ausgeprägt. Da Bewegungs­lernen ständig und ein Leben lang stattfindet, empfiehlt es sich, spezifische Übungen in jede Trainings­einheit zu integrieren - ganz unabhängig vom Alter der Spieler. Diejenigen, die ihren Alltag hauptsächlich im Sitzen verbringen, werden am meisten davon profitieren. Im Kinder- und Jugend­training dienen die Übungen auch der Konzentra­tions­suche beziehungsweise Konzentrations­schulung und werden als Herausforderung gesehen. Gerade wenn viele Kinder auf dem Platz sind, wird das Training fokussierter und ruhiger. Im Leistungsbereich ist es essentiell, Balanceübungen einzubinden. Bei den Kader­spielern des TVBB entfällt ein Drittel der wöchentlichen Trainingszeit auf das Konditions-, Regenerations- und Fitnesstraining. Darin inbegriffen ist die Schulung des Gleich­gewichts, die wir gerne mit Rhythmus­übungen kombinieren und auf verschiedene Übungs­einheiten verteilen.

Sollte das Gleichgewicht vor jedem Tennistraining geübt werden?

Es wäre ideal, Gleich­gewichts­übungen in die Aufwärmphase einzubauen. Man kann zum Beispiel sehr gut Bewegungen in Zeitlupe ausführen lassen. Dies versetzt den Spieler in Grenzbereiche von Bewegungen. Er bewegt sich nicht so schnell wie er möchte und wird dadurch gezwungen, seinen Körper an diese Situationen geplant langsam anzupassen. Das hat den Effekt, dass er die gezielte Ansteuerung der Muskulatur bewusst trainiert, um sie später unter Zeitdruck einfacher abrufen zu können.

Gibt es einen Schlag, bei dem die Gleichgewichtsübungen besonders schnell Effekte bewirken?

Ja, der Aufschlag. Es kann helfen, die Bewegung stehend auf Hindernissen oder leichten Erhöhungen durchzuführen. Das können zum Beispiel Klötze, halbierte Tennisbälle oder auch nur Bodenmarkierungen sein. Auch eine konkrete Vorgabe, wo die Landung nach dem Aufschlag erfolgen soll, kann zu einer Ökonomisierung der Bewegung führen.

Welche weiteren Trainingstipps für den Aufschlag haben Sie?

Im Training mit unseren Kader-Mitgliedern geben wir gerne den Hinweis, dass der Arm beim Aufschlag aus der Ruhe beginnt. Als Metapher eignet sich die Freiheits­statue mit ihrem nach oben gestreckten Arm. Die Übungs­ausführung beginnt in Ruhe, der Treffpunkt des Balls soll im höchsten Punkt erfolgen, das heißt der Ball wird im Sprung geschlagen, nach der Landung ist schnellst­möglich ein Split-Step durchzuführen, um den Return gut vorbereitet zu erwarten. Je besser dieser Ablauf trainiert wird, desto besser wird der Aufschlag im Wettkampf sein. Effektive Übungen sind auch das einbeinige Aufschlagen, stehend auf dem Therapiekreisel oder dem halben Pezziball sowie das beidbeinige Springen auf den Therapiekreisel oder von diesem herunter.

Den Therapiekreisel oder den halben Pezziball als Erhöhung zu nutzen und im Zuge der Ausführung der Aufschlag­bewegung von diesem abzuspringen, trägt zur Verbesserung des Gleichgewichts bei. Denn der Körper wird aktiv aus der Balance gebracht, nimmt unterschiedliche Fein­ein­stellungen vor und wird so für die nächsten Male - in unserem Fall dann die regulären Aufschläge - gewappnet sein. Sie sehen: Im Zuge des Gleich­gewichts­trainings finden verschiedene Anpassungs­erscheinungen statt, die bei fehlendem Training ausbleiben. Das heißt, man muss immer am Ball bleiben.

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Gleichgewichtsübungen Tennis Tipps
Hoch konzentriert und perfekt ausbalanciert: Bei "Talentino" Jakob bilden Oberkörper und Ohrenachse im Moment des Treffpunkts den Großbuchstaben "T".

Die Übung "Fixieren und Einfrieren" hilft Tennisspielern, das Gleich­gewicht auf dem Platz besser zu halten und kann leicht in das Training oder das Einschlagen vor dem Match integriert werden. Die Aufgabe besteht darin, den herannahenden Ball mit den Augen zu fixieren und den Kopf und die Ohren­achse während der Schlag­bewegung parallel zum Boden zu halten. Bildlich gesprochen formen Oberkörper und Ohrenachse im Moment des Treffens den Groß­buch­staben "T".

Um die aufrechte und günstige Haltung von Kopf und Oberkörper zu verinnerlichen, sollte der Spieler im Treffpunkt des Balls seinen Kopf einfrieren. Das heißt, er schaut dem von ihm geschlagenen Ball nicht sofort nach und dreht seinen Kopf erst, wenn sein Ball die Netzkante überquert hat.

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