Kundenportal - Login
Junge Frau mit roten Haaren und vielen Sommersprossen hält sich mit beiden Händen die Ohren zu

Tinnitus: Ursachen und Prävention.

Was hinter Ohrgeräuschen steckt und wie Sie Ihr Gehör langfristig schützen können.

zuletzt aktualisiert am 08.04.2026

Das Wichtigste in Kürze:

  • Tinnitus bezeichnet Ohrgeräusche wie Rauschen, Pfeifen oder Summen ohne äußeren Akustikreiz
  • Häufige Ursachen sind Stress, Lärm, Hörsturz oder Durchblutungsstörungen.
  • Akuter Tinnitus kann schon nach kurzer Zeit vorbei sein, bei chronischem Tinnitus ist gezielte Therapie nötig.
  • Prävention durch Lärmschutz, Stressreduktion und Vorsorgeuntersuchungen schützt Ihr Gehör nachhaltig.

Was ist Tinnitus?

Wenn Sie Geräusche im Ohr hören, die sonst niemand hört, kann das erstmal beunruhigend sein. Dafür gibt es eine medizinische Erklärung: Sie leiden wahrscheinlich an einem Tinnitus. Medizinisch unterscheidet man zwischen akutem Tinnitus, der nur ganz kurz andauern kann, aber auch bis zu 3 Monate bestehen bleibt und chronischem Tinnitus. Bei einem chronischen Tinnitus sind Betroffene für lange Zeit solchen dauerhaft vorhandenen Geräuschen ausgesetzt, was eine schwere Belastung sein kann.

Nach Angaben der Deutschen Tinnitus-Liga haben etwa 10 bis 15 % der Erwachsenen zumindest zeitweise Ohrgeräusche. Bei rund 1 bis 2 % sind die Beschwerden chronisch.

Formen von Tinnitus

In über 99 % der Fälle handelt es sich um einen subjektiven Tinnitus, d. h. das Geräusch ist nur für die betroffene Person hörbar. Bei einem objektiven Tinnitus können auch andere Personen die Geräusche wahrnehmen, wenn etwa eine tatsächliche Schallquelle im Körper existiert und z. B. ein Rauschen verursacht. Eine andere Bezeichnung für den objektiven Tinnitus ist somatischer Tinnitus.

Neben den bereits erwähnten Arten akuter und chronischer Tinnitus ist auch die Form pulsatiler Tinnitus bekannt, bei dem Betroffene die Ohrgeräusche als rhythmisches Pochen, Rauschen oder Klopfen hören. Den Takt gibt hier der eigene Herzschlag an.

Typische Symptome bei Tinnitus

Die Symptome bei einem Tinnitus können sich unterschiedlich äußern.

  • Rauschen im Ohr
  • Pfeifen im Ohr
  • Einseitiges Rauschen (nur auf einem Ohr)
  • Ohrensausen und Schwindel
  • Druckgefühl im Ohr

Manche Betroffene entwickeln zusätzlich eine Hyperakusis. Dabei werden normale Alltagsgeräusche als unangenehm laut empfunden. Einseitige Ohrgeräusche oder Tinnitus mit Schwindel sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Eine Frau lässt bei einem Arzt eine Untersuchung ihrer Ohren machen

Ursachen von Tinnitus

Es gibt viele Ursachen für einen Tinnitus. Er kann durch plötzliche Lärmeinwirkungen ebenso auftreten wie durch Erkrankungen des Mittelohrs (Ohrenentzündung), Tubenkatarrh (Entzündung der Schleimhaut in der Nase mit Druckgefühl im Ohr), eine Otosklerose (Knochenerkrankung im Innenohr), Zahnprobleme oder psychische Belastungen.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Verspannung im Kiefergelenk
  • Gefäßeinengung oder -erweiterung
  • Tumore in oder an der Schädelbasis
  • Anormale Position großer Venen
  • Gewebe, das auf Gefäße drückt

Stress und psychische Belastung

Chronischer Stress gilt als einer der häufigsten Auslöser. Studien zeigen, dass ein anhaltend erhöhter Cortisolspiegel die neuronale Signalverarbeitung im Hörzentrum beeinflussen kann. Dadurch werden bestimmte Frequenzen im Gehirn verstärkt, wodurch Ohrgeräusche entstehen oder sogar heftiger werden.

Ein enger Zusammenhang besteht auch zwischen einem chronischen Tinnitus und Angststörungen oder depressiven Episoden.

Lärm und Hörschäden

Dauerhafte Lärmbelastung durch Beruf, Konzerte oder Kopfhörer kann Haarzellen im Innenohr schädigen. Diese Zellen sind für die Umwandlung von Schall in elektrische Signale zuständig. Sind sie beschädigt, können fehlerhafte Signale an das Gehirn weitergeleitet werden.

Ebenso kann ein Knalltrauma oder ein Hörsturz Ohrgeräusche auslösen.

Durchblutungsstörungen und Erkrankungen

Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen oder Stoffwechselstörungen können die Innenohrdurchblutung beeinträchtigen. Auch Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule gelten als mögliche Ursache.

In seltenen Fällen können neurologische Erkrankungen oder gutartige Tumore wie ein Akustikusneurinom (Tumor im Kopf) verantwortlich sein.

Warnsignale bei Tinnitus: Wann Sie handeln sollten

Ein Tinnitus kann in vielen Fällen starke Probleme bereiten. Vor allem gibt es Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten:

  • plötzliches einseitiges Rauschen im Ohr,
  • Tinnitus mit Schwindel oder Lähmungserscheinungen
  • begleitende starke Kopfschmerzen

In sehr seltenen Fällen kann ein plötzlicher Tinnitus ein Hinweis auf eine Durchblutungsstörung oder auch Tumoren im Gehirn sein. Treten zusätzliche neurologische Symptome auf, sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Frühe Diagnose für bessere Prognose

Ihre Ohren sind meist ein Leben lang für Sie aufmerksam. Deshalb haben diese selbst auch besonders viel Aufmerksamkeit verdient. Ein HNO-Arzt kümmert sich um die Gesundheit Ihrer Ohren. Üblicherweise wird in der Praxis eine ausführliche Anamnese und ein Hörtest gemacht sowie Gehörgang und Trommelfell untersucht.

Eventuell werden dabei auch bildgebende Verfahren eingesetzt. Eine frühe Diagnose verbessert die Behandlungschancen erheblich, insbesondere bei akutem Tinnitus.

Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus

Bei einem frischen Tinnitus wird häufig Kortison eingesetzt, um entzündliche Prozesse zu reduzieren. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Ist der Tinnitus chronisch, steht die Symptomkontrolle im Vordergrund. Hier spielt zum Beispiel auch die Psychotherapie eine entscheidende Rolle.

  • Kognitive Verhaltenstherapie, bei der negative Gedanken, belastende Gefühle und schädliche Verhaltensweisen rund um den Tinnitus erkannt werden sollen, um dann ganz gezielt abgebaut bzw. entschärft zu werden.
  • Tinnitus-Retraining-Therapie. Diese setzt auf Beratung, Aufklärung und Klangtherapie. Ziel ist, Ohrgeräusche unwichtig werden zu lassen und letztendlich zu überhören. Es geht darum, körperliche und psychische Stressreaktionen auf den Tinnitus zu reduzieren, die im Zentrum jedes Tinnitus-Leidens stehen und typische Folgeerscheinungen wie innere Unruhe, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, Ängste und Sorgen oder sozialen Rückzug nach sich ziehen. Im Zuge der Therapie verliert das Ohrgeräusch seinen bedrohlichen Charakter.
  • Hörgeräte bei gleichzeitigem Hörverlust.

Studien zeigen, dass die kognitive Verhaltenstherapie die Belastung signifikant reduzieren kann.

Absolute Stille verstärkt oft die Wahrnehmung der Ohrgeräusche. Warum? Das hängt mit unserem Gehirn zusammen. Das Gehirn mag keine absolute Stille und will die Lautlosigkeit akustisch füllen. Leise Hintergrundgeräusche oder Naturklänge können kurzfristig entlasten.

Entspannungsübungen wie Atemtechniken können helfen, das Stressniveau zu senken. Auch Hausmittel wie Ginkgo werden häufig diskutiert, zeigen jedoch in hochwertigen Studien keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Wenn Sie von einem Tinnitus betroffen sind, gibt es Dinge, die Sie im Alltag vermeiden sollten:

  • Dauerhafte Lärmbelastung
  • Übermäßiges Tragen von Kopfhörern bei hoher Lautstärke
  • Eigenständige Medikamenteneinnahme ohne ärztliche Rücksprache

Prävention: So schützen Sie Ihre Ohren

Um Ihre Ohren grundsätzlich zu schützen, gibt es verschiedene Präventionsmaßnahmen, die Sie beachten können:

  • Lärmschutz im Alltag
    Verwenden Sie bei Konzerten oder im Beruf geeigneten Gehörschutz. Reduzieren Sie die Lautstärke bei Kopfhörern und gönnen Sie Ihren Ohren regelmäßige Ruhepausen.
  • Stressmanagement
    Chronischer Stress kann an vielen Stellen in unserem Körper heftige Reaktionen auslösen. Auch die Tinnitus-Belastung lässt sich deutlich senken, wenn wir Stress in unserem Leben reduzieren. Bewegung, ausreichend Schlaf und Achtsamkeitsübungen helfen dabei und stabilisieren das Nervensystem.
  • Regelmäßige Vorsorge
    Mit Hörtests und ärztlichen Kontrollen lassen sich Hörbeeinträchtigungen frühzeitig erkennen. Präventive Untersuchungen sind daher ein wichtiger Baustein für langfristige Ohrgesundheit und gutes Hören.

Private Absicherung hilft bei Ihrer Vorsorge

Diagnostik, Tests oder therapeutische Maßnahmen können Kosten verursachen, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Eine zusätzliche Absicherung für Vorsorge unterstützt Sie dabei, präventive Untersuchungen jederzeit wahrzunehmen.

Mit einer passenden privaten Zusatzversicherung stärken Sie Ihre Gesundheitsvorsorge.

Häufige Fragen rund um Tinnitus

Tinnitus selbst schädigt das Gehirn nicht. Die dauerhafte Belastung kann jedoch Stressreaktionen verstärken und damit auch weitere Folgen auf die allgemeine Gesundheit haben.

Ein Hörsturz und ein Tinnitus treten häufig zusammen auf, so kann z. B. ein akuter Hörsturz einen Tinnitus auslösen. Dann ist schnelles Handeln besonders wichtig. Wer einen Hörsturz bemerkt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden zu vermeiden und die Heilungschancen zu verbessern.

Typische Symptome eines Hörsturzes sind neben der Hörminderung auch Schwindel, Druckgefühl im Ohr oder das Gefühl, dass das Ohr "verstopft" ist. Bei einem Hörsturz lässt das Hörvermögen plötzlich und ohne erkennbaren Grund nach. Betroffene nehmen Geräusche auf einem Ohr deutlich leiser oder verzerrt wahr.

Ein Tinnitus hingegen beschreibt Ohrgeräusche, die je nach Art des Tinnitus nur von den Betroffenen nur selbst wahrgenommen werden können. Meist spricht man von Ohrsausen, Ohrenrauschen oder einem Pfeifen im Ohr. Diese Geräusche entstehen, obwohl keine äußere Schallquelle vorhanden ist. Auch der Hörverlust, der beim Hörsturz als ein Hauptsymptom gilt, kann beim Tinnitus auftreten, muss aber nicht.

Diskutiert werden in diesem Zusammenhang häufiger ein Mangel an Vitamin B12 oder Eisen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist hier bislang aber nichts belegt.

Bei einem Tinnitus-Noiser handelt es sich um ein spezielles Hörgerät. Hörgeräte mit einem Tinnitus-Noiser können Ohrgeräusche wie Piepsen, Pfeifen und Rauschen wirksam reduzieren. Dabei wird ein angenehmes Rauschen eingesetzt, um die störenden Ohrgeräusche des Tinnitus zu überlagern. Dadurch lernt das Gehirn mit der Zeit, das Tinnitus-Geräusch zu überspielen, sodass der Tinnitus nicht mehr so intensiv wahrgenommen wird.

Psychische Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung eines Tinnitus und die darauffolgende Belastung deutlich. Denn je länger Betroffene den Störgeräuschen ausgesetzt sind, umso häufiger kommt es zu Schlafmangel und Konzentrationsschwierigkeiten, was sich wiederum negativ auf die Lebensqualität ausübt. Stress gilt als zentraler Verstärker.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Anhaltende oder plötzlich auftretende Ohrgeräusche sollten Sie zeitnah ärztlich abklären lassen.